Sechster Fund seit knapp einem Jahr: Fuß an der Küste Kanadas angespült
zuletzt aktualisiert: 19.06.2008 - 13:20Vancouver (RPO). Es ist so unerklärlich wie gruselig, und es passiert immer wieder: Seit knapp einem Jahr werden an Kanadas Pazifikküste abgetrennte, menschliche Füße angespült. Am Mittwoch machte eine Spaziergängerin den sechsten Fund. Die Polizei versucht mittels DNA-Tests, die Herkunft des grausigen Treibguts zu ermitteln.
Die Frau habe den Fuß an einem Strand nahe dem Fischerort Campbell River auf Vancouver Island gefunden, sagte die Leiterin eines nahegelegenen Zeltplatzes, Sandra Malone, am Mittwoch. Die Finderin habe ihr erzählt, der Fuß habe in einem schwarzen Sportschuh für Männer gesteckt, so Malone. "Die beiden Knochen ragten noch heraus", erzählte Malone.
Laut einem Polizeisprecher handelte es sich um einen Schuh der Größe 43/44. Hinweise zur Herkunft der Funde hat die Polizei hingegen immer noch nicht. "Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht... auch, dass alle Funde zusammenhängen", sagte Polizeisprecherin Annie Linteau. Mit Blick auf Mutmaßungen über ein Verbrechen betonte sie, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Füße abgeschnitten worden seien.
Anderen Mutmaßungen zufolge handelt es sich um Körperteile von Opfern eines Flugzeug- oder Bootsunglücks. Die am Meeresboden eingeklemmten Leichen der Opfer seien möglicherweise nach einem Vorfall wie einem Erdbeben nach oben gespült worden, sagte der Kriminologe Gail Anderson von der kanadischen Simon Fraser University.
Andere Wissenschaftler weisen darauf hin, die Füße seien möglicherweise schon mehrere Jahre alt und könnten tausende Kilometer weit gespült worden sein, da sie unter gewissen Umständen im kalten Wasser gut konserviert blieben. Örtliche Medien mutmaßten, die Füße gehörten zu vier Männern, die seit dem Absturz ihres Wasserflugzeugs im Februar 2005 in der Nähe des Campbell River vermisst werden.
Ein menschlicher Fuß war am Montag unweit der Flussmündung des Fraser in der Nähe von Vancouver im Pazifik entdeckt worden. Ende Mai wurde ein Fuß auf der unbewohnten Insel Kirkland südlich von Vancouver entdeckt, im Februar fand sich ein Fuß auf der nur mit dem Boot oder Wasserflugzeug erreichbaren Valdes-Insel. Die ersten beiden Funde waren im August im Abstand von einer Woche auf zwei Inseln gegenüber von Vancouver gemacht worden.
Der Chef-Untersuchungsrichter von British Columbia, Terry Smith, warnte vor wilden Spekulationen. Die Funde "regen die Vorstellungskraft von allen an, aber wir müssen daran erinnern, dass es sich um Überreste eines Menschen handelt, der geliebt wurde", sagte er AFP. Er persönlich habe Vorbehalte, die Funde als Kriminalfall zu betrachten. Smith teilte mit, die DNA-Tests seien noch nicht abgeschlossen. Außerdem solle die gerichtsmedizinische Untersuchung Hinweise auf Alter, Geschlecht und Gewicht der betroffenen Menschen geben.
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