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Kommission soll Todesumstände untersuchen: Gaddafi findet keine Ruhe

zuletzt aktualisiert: 24.10.2011 - 16:42

Tripolis (RPO). Vier Tage lang standen die Menschen Schlange, um den Leichnam des früheren libyschen Diktators in einem Kühlhaus in Misrata sehen zu können. Am Montagnachmittag fand die öffentliche Zurschaustellung ein Ende. Ein weiteres, verstörendes Video wirft derweil neue Fragen nach den Todesumständen Gaddafis auf. Der nationale Übergangsrat ordnete auf internationalen Druck eine Untersuchung an.

Inmitten widersprüchlicher Angaben, wie der langjährige Machthaber am Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte ums Leben kam, sei ein Untersuchungssausschuss eingesetzt worden, teilte der Ratsvorsitzende Mustafa Abdul Dschalil am Montag in Bengasi mit. Unter anderen die UN hatten eine Untersuchung der Todesumstände gefordert.

Die Frage, ob Gaddafi bei einem Feuergefecht während des Sturms auf Sirte starb oder gezielt getötet wurde, war weiter offen. Nach Darstellung des Übergangsrates kam er bei Kämpfen zwischen eigenen Anhängern und Kämpfern des Übergangsrats ums Leben. Es gibt jedoch auch die Vermutung, dass er nach seiner Gefangennahme hingerichtet wurde.

Dschalil bringt neue Gerüchte ins Spiel

Dschalil brachte am Montag eine weitere Version ins Spiel und deutete an, dass der 69-Jährige von eigenen Anhängern getötet worden sein könnte, damit sie in einem Prozess gegen Gaddafi nicht belangt würden. Die Bürger eines freien Libyens hingegen hätten den einstigen Machthaber lieber gedemütigt vor Gericht und im Gefängnis gesehen.

Ein neues Video, das im Internet aufgetaucht ist, wirft derweil ein neues Licht auf die Festnahme Gaddafis. Es zeigt mutmaßlich den libyschen Herrscher in relativ scharfen Bildern. Er ist blutüberströmt, wird herumgeschubst, geht zu Boden, wird wieder hochgezerrt. Männer schreien "Allah ist groß", immer wieder sind Schüsse zu hören. Der Vermutungen, Gaddafi könnte Opfer eines Lynchmobs geworden sein, dürften dadurch neue Nahrung erhalten.

Befremden im Ausland

Vor der Entdeckung Gaddafis in Sirte war ein aus der Stadt fliehender Konvoi mit Anhängern des ehemaligen Staatschefs von Nato-Flugzeugen angegriffen worden. Der Kommandeur des Nato-Einsatzes in Libyen, Generalleutnant Charles Bouchard, erklärte am Montag, er sei überrascht gewesen, dass Gaddafi sich in dem Konvoi befunden habe.

Der Nationale Übergangsrat setzte nach Angaben Dschalils weiter ein Komitee ein, das über den Umgang mit Gaddafis Leiche entscheiden soll. Das Ergebnis solle von einer Fatwa gedeckt sein. Seit vier Tagen war sein Leichnam zusammen mit denen seines Sohnes Motassim und seines Armeechefs in einem Kühlhaus ausgestellt worden, was vor allem im Ausland Befremden ausgelöst hat. Schaulustige hatten zuletzt wegen des Verwesungsgeruches Mundschutze bekommen.

Kühlhalle wird geschlossen

Am Montag kündigten Vertreter des Übergangsrates an, der Leichnam werde nicht mehr ausgestellt, und die Tore würden für Schaulustige geschlossen. Am Nachmittag sperrten Wachleute den Kühlraum ab.

Nach muslimischem Brauch werden Tote innerhalb eines Tages beerdigt. Die Umstände von Gaddafis Tod und der Umgang mit seiner Leiche scheinen bei den meisten Libyern aber auf wenig Interesse zu stoßen.

Zugleich kündigte Dschalil an, eine Übergangsregierung solle "binnen zwei Wochen" eingesetzt werden. Die Beratungen hierüber hätten begonnen. Ursprünglich hatte es geheißen, es werde einen Monat bis zur Bildung einer Regierung dauern. Der Nationale Übergangsrat hatte Libyen am Sonntag 42 Jahre nach der Machtübernahme von Gaddafi und drei Tage nach dessen Tod für befreit erklärt.

Massengrab entdeckt

Auch die Todesumstände Dutzender mutmaßlicher Gaddafi-Anhänger in Sirte lagen am Montag weiter im Dunkeln. Wie die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mitteilte, wurden am Sonntag in einem leerstehenden Hotel der Küstenstadt 53 bereits verwesende Leichen gefunden. Einige der Toten im Hotelgarten hatten demnach die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Das Gebiet um das Hotel El Mahari sei seit Anfang Oktober von Anti-Gaddafi-Kämpfern aus der Stadt Misrata kontrolliert worden, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. HRW forderte den Übergangsrat auf, umgehend Ermittlungen und die Verfolgung der Verantwortlichen einzuleiten.

Quelle: AFP/RTR/AP/pst

 
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