Konkrete Pläne für Zahlungen: Geberkonferenz: Mehr als Versprechen gefordert
zuletzt aktualisiert: 11.01.2005 - 12:19Genf (rpo). Zwar liegen Spendenzusagen in Höhe von vier Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro) vor. Doch auf der zweiten Geberkonferenz am Dienstag verlangen die Vereinten Nationen von den Geberstaaten, ihre konkreten Pläne über den Verlauf der Zahlung vorzulegen. Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck fordert Politiker auf, die Hilfe nicht persönlich in die Region zu bringen. Horst Köhler unterstützt dies.
Die Geberstaaten wurden im Vorfeld des Gipfels aufgerufen, ihre Zusagen zeitlich zu konkretisieren und die versprochenen Gelder fließen zu lassen. "Die Losung heißt Bargeld", sagte eine Sprecherin. In vielen Fällen ist aber noch offen, wann die Mittel freigegeben werden sollen. An der Konferenz nehmen neben Vertretern der Geberstaaten und der von der Flut betroffenen Länder auch Hilfsorganisationen teil.
Delegationen der UN-Mitgliedstaaten, der UN-Agenturen, der Rot-Kreuz-Bewegung und internationaler Nichtregierungsorganisationen werden sich bereits am Vormittag zur Startrunde der UN-Länderprogramme des so genannten Consolidated Appeals Process versammeln.
Dabei geht es um die vergessenen Krisen und Konflikte. Die Reihe der humanitären Appelle war im November von UN-Generalsekretär Kofi Annan angestoßen worden und betrifft die internationale Hilfe für 14 Regionen, Länder und Gebiete, in denen Krisen mit verschiedensten Ursachen die Menschen von Hilfe abhängig machen. Betroffen sind Menschen in Afrika, im Nahen Osten und im Kaukasus.
Pläne der deutschen Vertreterin
AA-Staatsministerin Kerstin Müller, welche Deutschland auf der geberkonferenz vertritt, reagierte verhalten auf den vorab geäußerten Vorschlag von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner zur Einrichtung einer zivilen EU-Katastrophenhilfetruppe. Es solle keine zusätzliche Bürokratie aufgebaut werden, doch werde der Vorschlag geprüft, sagte Müller.
Sie verteidigte zugleich die Visiten hochrangiger ausländischer Politiker in den Flutgebieten. Diese Besuche seien notwendig, um sich vor Ort zu informieren. Allerdings dürften die Hilfsmaßnahmen nicht darunter leiden.
Politiker als Touristen in Flutregion
Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck ist sicher währenddessen sicher: "Der Polit-Tourismus ist auf Dauer nicht erträglich." Selbst sei er durch keinen geringeren als Kofi Annan behindert worden. Joschka Fischer reist am Dienstag wie geplant aus der Flutregion ab.
Dies sagte Neudeck zu "Neue Presse". Diese Besuche "behindern natürlich die Hilfsmaßnahmen, das weiß doch jedes Kind". Er selber saß 24 Stunden in Kuala Lumpur fest, weil UNO-Generalsekretär Kofi Annan mit seinem Besuch "alles durcheinander gebracht hat". Neudeck, der zurzeit an der Westküste Sumatras Aufbauarbeiten in Dörfern leistet, riet Politikern, sich zu überlegen, ob ihre Besuche wirklich Sinn machten, und ob ihr Tun "auch würde- und ehrenvoll ist".
Fischer verwies auf die Notwendigkeit vor Ort mit den einheimischen Entscheidungsträgern zusammenzutreffen. Einen Schuldenerlass habe er keinem der Länder fest zugesichert. Die G-7-Gruppe der reichsten Industriestaaten wird bei einem Treffen des Pariser Clubs am Mittwoch über einen Schuldenerlass für die Flutregion beraten.
Köhler gegen Reise
Die Schirmherrin von UNICEF Deutschland, Eva Luise Köhler, will vorerst nicht in die südasiatischen Katastrophengebiete reisen. Sie wolle die Hilfe vor Ort nicht behindern, sagte die Ehefrau von Bundespräsident Horst Köhler am Dienstag im Bayerischen Rundfunk: "Ich denke, die Flugzeuge sollten jetzt wirklich für Hilfe vor Ort benutzt werden, und nicht, um mich jetzt dahin zu bringen."
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