| 17.08 Uhr

Innenminister lobt "Heldenmut"
Französischer Polizist ließ sich gegen Geisel austauschen

Geiselnahme in Südfrankreich - vier Tote
Geiselnahme in Südfrankreich - vier Tote FOTO: rtr, /MDP
Carcassonne. Die Polizei hat die blutige Geiselnahme in Südfrankreich beendet. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei offenbar ein Gendarm. Innenminister Collomb spricht von einer Heldentat des Beamten.

Ein bekennender Islamist hat in Südfrankreich mindestens drei Menschen getötet und drei weitere verletzt. Eine Spezialeinheit der Gendarmerie erschoss den Täter am Freitag in einem Supermarkt in der Kleinstadt Trèbes, wie Innenminister Gérard Collomb am Tatort mitteilte. Der 26-jährige Marokkaner hatte sich dort zuletzt mit einer Geisel verschanzt. Die französische Regierung geht von einem Terroranschlag aus.

Nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft bekannte sich der Täter zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Auch die IS-Miliz selbst erklärte später über ihr Sprachrohr Amaq, einer ihrer "Soldaten" sei für den Angriff verantwortlich. Der französische Innenminister Collomb sprach von einem Einzeltäter, der den Sicherheitskräften bekannt gewesen sei. Sie hätten ihn zwar observiert, hätten aber keine Radikalisierung feststellen können. Collomb sagte, der junge Mann sei "unerwartet zur Tat geschritten".

Die Behörden identifizierten den Täter als Radouane L., der in Marokko geboren worden war und zuletzt in der rund zehn Kilometer von Trèbes entfernten Stadt Carcassonne lebte. Er war den Behörden für kleinere Delikte bekannt: als Dealer und Kleinkrimineller. Doch er stand auch seit Jahren wegen möglicher Radikalisierung in einer Datenbank. Allerdings hatte eine Überprüfung durch die Behörden 2016 und 2017 nach Angaben des Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins keine Anzeichen erbracht, dass der Mann zu einer terroristischen Tat schreiten könnte.

Supermarkt überfallen

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatte der Täter am Freitagvormittag in der südfranzösischen Stadt Carcassonne ein Auto gestohlen. Dabei soll er einen der Insassen getötet und den Fahrer verletzt haben. Kurze Zeit später habe er einen Polizisten mit Schüssen verletzt, der mit Kollegen vom Joggen zurückkam, berichteten die Ermittler.

Daraufhin soll der Täter in das nahe gelegene Trèbes gefahren sein und den Supermarkt überfallen haben. Dort habe er zwei weitere Menschen getötet, berichtet die französische Polizei. Ein Augenzeuge sagte aus, der Täter habe "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen, als er den Laden der Kette "Super U" gegen 11.15 Uhr überfiel. Der Mann sei mit Messern, einer Schusswaffe und Handgranaten bewaffnet gewesen. Aus Ermittlerkreisen hieß es, den meisten Kunden und Angestellten sei die Flucht gelungen.

Einsatzkräfte konnten mithören

Ein Großaufgebot von Polizisten riegelte den 5000-Einwohner-Ort daraufhin ab, Hubschrauber überflogen den Tatort. Ein Gendarm ließ sich nach Angaben von Innenminister Gérard Collomb gegen eine noch verbliebene Geisel austauschen. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte.

Als Schüsse fielen, seien Spezialkräfte eingeschritten, sagte Collomb  weiter. Sie hätten den Supermarkt gestürmt. Dabei sei der Gendarm, der sich für die Geisel austauschen ließ, schwer verletzt verletzt worden. Innenminister Collomb lobte den "Heldenmut" des Beamten.

Der getötete Geiselnehmer war nach Angaben von Präsident Emmanuel Macron allem Anschein nach ein Terrorist. "Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, der sich dort aktuell abspielt", sagte Macron am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich bestürzt über die Geiselnahme. "Wir sind natürlich bei den Betroffenen und Angehörigen und sprechen ihnen aus vollem Herzen unsere Anteilnahme aus."

(dpa)
 
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