Kambodscha: Geiselnahme in internationaler Schule war Racheakt
zuletzt aktualisiert: 17.06.2005 - 11:28Siem Reap (rpo). Die Geiselnahme in der internationalen Schule in Siem Reap in Kambodscha, bei der am Donnerstag ein zweijähriger Junge aus Kanada getötet wurde, war offenbar ein Racheakt. Die Täter wollten angeblich die Kinder des Ex-Chefs ihres Anführers töten.
Die vier Geiselnehmer hätten eigentlich zwei Kinder eines Südkoreaners töten wollen, teilte die Polizei am Freitag in Siem Reap im Nordwesten des Königreiches mit.
Ein fünfter Verdächtiger wurde am Freitag von der Polizei in Gewahrsam genommen und befragt. Unterdessen forderte das Innenministerium alle Schulen und andere öffentliche Einrichtungen auf, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.
Bei dem Anführer der Geiselnehmer handele es sich um einen Fahrer, der von seinem südkoreanischen Arbeitgeber geschlagen worden sei, teilte der Polizeisprecher weiter mit. Daher habe der ehemalige Angestellte einer Sicherheitsfirma beschlossen, aus Rache die beiden Kinder seines Chefs zu töten. Die Geiselnehmer hätten die Kinder aber nicht finden können und seien in Panik geraten, als die Polizei das Schulgebäude umstellt habe.
Die vier Männer hielten daraufhin rund sieben Stunden lang 29 Kinder und einen Betreuer fest. Während ihrer Verhandlungen mit der Polizei erschossen die Täter einen zweijährigen Jungen aus Kanada. Als die Polizei den Geiselnehmern wie verlangt einen Kleinbus zur Flucht zur Verfügung stellte, verließen die Täter das Gebäude mit einer Gruppe von Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren und versuchten, das Fahrzeug zu besteigen. Dabei wurden die Geiselnehmer von der Polizei überwältigt.
Aufgebrachte Eltern, die sich wegen der Geiselnahme vor der Schule versammelt hatten, griffen die Männer an und verletzten sie mit Schlägen und Fußtritten. Einer der Täter musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach Angaben eines Augenzeugen wären die Geiselnehmer von den Eltern zu Tode geprügelt worden, wenn die Polizei nicht eingegriffen hätte.
Alle öffentlichen Einrichtungen sollten die Sicherheit ihrer Schüler, Kunden und Touristen in enger Absprache mit den örtlichen Behörden verstärken, hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung des Innenministeriums in Phnom Penh.
In der Nähe des Ortes der Geiselnahme befindet sich die berühmte Tempelanlage Angkor Wat, die größte Touristenattraktion Kambodschas. In der Stadt Siem Reap leben hunderte Auswanderer, von denen viele für Hilfsorganisationen und in der Tourismusbranche arbeiten.
An der internationalen Schule werden etwa 70 Kinder aus den USA, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Australien sowie mehreren asiatischen Ländern unterrichtet.
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