| 16.18 Uhr

14 Festnahmen in niederländischer Kleinstadt
Bei Protesten gegen Flüchtlingsheim fliegen Steine und Flaschen

Geldermalsen: Bei Protesten gegen Flüchtlingsheim fliegen Steine
80 gewalttätige Demonstranten belagerten das Rathaus. FOTO: dpa, marten pt
Amsterdam. Bei Protesten gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft im niederländischen Geldermalsen ist es am Mittwochabend zu heftigen Krawallen gekommen. Rund 80 gewalttätige Demonstranten hatten das Rathaus der Kleinstadt belagert und mit Steinen, Feuerwerk und Flaschen angegriffen.

Die mobilen Einsatzkräfte der Polizei waren eingeschritten und wurden nach Angaben der Polizei so bedrängt, dass sie Warnschüsse abgaben. Zwei Beamte und einige Demonstranten wurden leicht verletzt. 14 Menschen seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Polizei schloss weitere Festnahmen nicht aus. "Es war ein geplanter Angriff", sagte Polizeichef Lute Nieuwerth. 

In der rund 11.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Osten der Niederlande soll eine Unterkunft für rund 1500 Flüchtlinge eingerichtet werden. Im Rathaus sollte eine öffentliche Diskussion über die Pläne für das Flüchtlingsheim stattfinden. Vor dem Gebäude hatten 1000 Menschen zunächst friedlich gegen die Pläne protestiert. Doch dann sei "völlig überraschend" eine Gruppe von rund 80 Personen zum Angriff übergegangen, sagte der Polizeichef. "Darauf waren wir nicht vorbereitet." Nach Polizeiangaben überwanden gewaltbereite Demonstranten auch Barrieren, um in das Gebäude zu gelangen. Die Veranstaltung wurde abgebrochen und das Rathaus evakuiert.

Die mobilen Einsatzkräfte der Polizei griffen ein und gaben Warnschüsse ab. FOTO: dpa, marten pt

Die niederländische Regierung reagierte entsetzt. Sitzungen der Gemeindeverwaltung müssten in einem demokratischen Rechtsstaat stattfinden können, betonte Innenminister Ronald Plasterk. "Dies ist eine abscheuliche Situation", sagte er im niederländischen Radio.

Nach den ersten Ausschreitungen habe sich die Lage rasch "deutlich verschlimmert", sagte der zuständige Polizeichef Lute Nieuwerth am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Geldermalsen. "Ich bin völlig schockiert von diesem gewaltsamen Zwischenfall."

Bürgermeisterin Miranda de Vries verurteilte die Gewalt. "Unabhängig von den Themen, die im Rat debattiert werden, sollten wir imstande sein, miteinander zu sprechen", sagte sie und ergänzte: "In einer Demokratie, in unserer Gesellschaft diskutieren wir mit Worten."

Bei den 14 Festgenommenen handelt es sich nach offiziellen Angaben um Einwohner Geldermalsens. Die Polizei rief Zeugen auf, sämtliches Videomaterial von den Ausschreitungen für die weiteren Ermittlungen zur Verfügung zu stellen.

Die Flüchtlingsaufnahme ist in den Niederlanden wie in anderen europäischen Staaten umstritten. Debatten auf örtlicher und nationaler Ebene gehen mitunter mit gegenseitigen Beleidigungen von Befürworten und Gegnern einher. Auch tauchten bereits Drohbriefe auf.

Die Niederlande registrierten im laufenden Jahr bereits mehr Asylanträge als je zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Bis Mitte November gingen etwa 54.000 Anträge ein. Bis zum Jahresende werden noch tausende weitere Ersuchen erwartet.

(emy/dpa, AFD)
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