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Germanwings-Absturz
Angehörige müssen bis zu vier Monate auf Identifizierung warten

Fotos: So hart ist die Arbeit der Bergungstrupps
Fotos: So hart ist die Arbeit der Bergungstrupps FOTO: dpa, bl sh
Paris. Während die Ermittler am Absturzort des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen am Montag zunächst auf die Hilfe von Hubschraubern verzichten mussten, geht die Suche nach der zweiten Blackbox weiter. Auch die Angehörigen der Toten müssen weiter Geduld aufbringen: Die Identifizierung der Opfer kann nach Experteneinschätzung bis zu vier Monate dauern.

Das sagte der Leiter des zuständigen Kriminalinstituts der französischen Gendarmerie, François Daoust, am Montag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "In Abhängigkeit von der Anzahl der Körperteile, die gefunden werden, kann der Zeitrahmen zwischen mindestens zwei und vier Monaten schwanken", sagte Daoust am Sitz des Instituts in Pontoise bei Paris. "Es ist besser im Rhythmus der Wissenschaft zu arbeiten als zu überstürzen und damit das Risiko einzugehen, sich bei der Identifizierung zu irren."

Am Morgen mussten die Hubschrauber zudem am Boden bleiben. "Wir haben etwas schwierige Wetterbedingungen", sagte ein Sprecher der Gendarmerie der Deutschen Presse-Agentur. In der Region herrschte heftiger Wind. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete, wurden Helfer stattdessen über eine Straße von der Einsatzzentrale im Örtchen Seyne-les-Alpes in die Nähe des Absturzortes gebracht und legten den Rest des Wegs zu Fuß zurück. Die Teams seien dazu etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs, sagte ein Gendarm.

Die Ermittler suchen weiter nach Opfern und dem zweiten Flugdatenschreiber, von dessen Daten sie sich weitere Erkenntnisse über den Absturz erhoffen. Gleichzeitig sind Arbeiter mit schwerem Gerät zugange, um einen Weg ins Absturzgebiet zu bahnen. Für die Nacht ist die Suche erneut unterbrochen worden. Mit der Dämmerung seien die Arbeiten ausgesetzt worden, hieß es am Montagabend bei der zuständigen Gendarmerie in Seyne-les-Alpes. In dem schwer zugänglichen Gebiet sichern nachts Spezialeinsatzkräfte die Absturzstelle.

Suche nach der Nadel im Heuhaufen

In dem Bergmassiv der Trois Evêchés wird seit einer Woche die buchstäbliche Nadel im Heuhaufen gesucht: ein Chip mit mehreren Hundert Daten, die Aufschluss über die verhängnisvollen letzten Minuten von Unglücks-Flug 4U 9525 geben sollen. Aber warum ist es so schwierig, den Flugdatenschreiber zu finden, wenn das andere Element der sogenannten Blackbox - der Cockpit-Stimmenrekorder - bereits gefunden und auch schon ausgewertet wurde?

"Der eigentliche Rekorder befindet sich innerhalb eines gepanzerten Zylinders", sagt Jens Friedemann von der ermittelnden Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Das Problem: Dieser Zylinder hat gerade mal die Größe einer Konservendose. "Keine leichte Aufgabe, sowas zu finden", meint Friedemann. Denn anders als vielfach geschildert sendet der Rekorder in den Alpen gar keine Funksignale.

"Die Geräte senden nur bei Kontakt mit Wasser", erläutert Friedemann, der selbst Pilot ist und bereits zwei Dutzend größere Flugunfälle untersucht hat. Sie seien nur für die Suche unter Wasser konzipiert. Seine Stelle ist derzeit mit sieben Personen an den Untersuchungen des Absturzes beteiligt - fünf davon sind am Unglücksort in Frankreich und werden sich gemeinsam mit den Kollegen der französischen BEA-Untersuchungsbehörde an die Auswertung machen, sobald der Flugdatenschreiber gefunden ist.

Kaum eine Woche nach der Katastrophe konzentrieren sich die Ermittler auf den 27-jährigen Copiloten, der nach derzeitigen Erkenntnissen die Maschine mit voller Absicht auf Sinkflug gebracht haben soll. Gewissheit soll der Abgleich der aufgezeichneten Geräusche auf dem Cockpit-Stimmenrekorder (CVR) mit dem Flugdatenschreiber bringen.
Bisher blieb die Suche vergeblich. Zwar hatte Frankreichs Präsident François Hollande den Fund der "Hülle" bekanntgegeben - doch damit kann nach Ansicht der Ermittler auch nur das Chassis gemeint sein.

Zylinder kann enorme Belastungen aushalten

Dessen Inhalt - also der Zylinder mit den wertvollen Daten - ist so konzipiert, dass er enormen Druck-Belastungen standhält. Friedemann: "Diese Belastung entspricht dem Aufprall auf eine Betonwand mit 750 Stundenkilometern." Auch Hitze muss er mindestens eine Stunde lang aushalten - die Obergrenze liegt bei 1100 Grad Celsius, der Brenntemperatur des Flugzeugtreibstoffs Kerosin. Auch größter Druck kann dem Zylinder kaum etwas anhaben; nach dem Absturz des Air-France-Fluges AF447 über dem Nordatlantik waren die Daten auch nach zwei Jahren auf dem Boden der Tiefsee noch auslesbar.

Bleibt die Frage, ob man die wichtige Suche nach den Datenrekordern nicht technisch vereinfachen könnte. Die Militärluftfahrt experimentiert bereits mit auswerfbaren Datenrekordern - also Geräten, die vor einem Aufprall des Flugzeugs automatisch herausgeschleudert werden. Auch der Hersteller der Unglücksmaschine, der europäische Flugzeughersteller Airbus, wird sie nun einführen. "Die Entscheidung wurde nach den Flugzeugunglücken in Südostasien getroffen", sagte ein Airbus-Sprecher in Toulouse der Deutschen Presse-Agentur. Die auswerfbaren Flugschreiber sollen in den beiden größten Airbus-Modellen A350 und A380 eingesetzt werden. Details sind zwar noch nicht bekannt, doch sollen die Geräte voraussichtlich in die Außenhaut des Rumpfes integriert werden.

Derweil kommen weitere Einzelheiten zur Krankengeschichte des Copiloten ans Licht. Offenbar war Andreas L. schon einmal wegen Suizidgefährdung in Behandlung.

(lnw)
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