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Germanwings-Unglück
Französische Abfangjäger waren machtlos

Germanwings: Französische Abfangjäger waren machtlos
Abfangjäger der Nato. FOTO: ap
Düsseldorf. Der Versuch der französischen Luftwaffe, den im Sinkflug befindlichen Airbus vor den Alpen noch zu erreichen, ist ein international übliches Verfahren, wenn die zivile Flugsicherung keinen Funkkontakt mehr zu einem Verkehrsflugzeug hat. Im Fall der Germanwings-Maschine waren die Piloten machtlos. Von Helmut Michelis

Allein über Deutschland sind alljährlich mehr als 200 Jets "stumm" unterwegs, was schlimmstenfalls eine Entführung bedeuten könnte, aber meist auf einen Bedienungsfehler zurückzuführen ist. Im Fall des A 320 wurde die Luftnotlage durch den Sinkflug noch deutlicher. In solchen Fällen versuchen überschallschnelle Abfangjäger, zunächst einen Blick ins Cockpit zu werfen, um der Flugsicherung nähere Hinweise zu geben.

Die französischen Fluglotsen können den Alarmstart frühestens acht Minuten vor dem Absturz bei der Luftwaffenzentrale in Taverny erbeten haben. Die knapp 2400 Kilometer pro Stunde schnellen "Mirage 2000" des Geschwaders "Ile de France" im südfranzösischen Orange wären zwar theoretisch in etwa drei Minuten an der Seite des Airbus gewesen. Zwei Jets stehen normalerweise aber in einer 15-Minuten-Bereitschaft, das heißt, in einer Viertelstunde müssen sie spätestens in der Luft sein. Das Einsteigen und den Startvorgang eingerechnet, hätten die französischen Jäger niemals rechtzeitig vor Ort sein können.

Fotos: Tag vier der Bergungsarbeiten am Absturzort FOTO: EPA/FRANCIS PELLIER/DICOM/MINISTERE INTERIEUR/HO

Frankreich hat wegen des Ukraine-Konflikts angekündigt, in die integrierte Luftverteidigung der Nato zurückzukehren. Das wird aber erst im Sommer umgesetzt. Alarmstarts wie im Fall des zivilen A 320 werden ohnehin in nationaler Verantwortung durchgeführt; in Deutschland würde das Lage- und Führungszentrum "Sicherheit im Luftraum" in Uedem am Niederrhein das Kommando übernehmen und in Bereitschaft stehende "Eurofighter" in Neuburg an der Donau oder Wittmund in Ostfriesland beauftragen.

Im schlimmsten Alarmfall "Renegade" ("Abtrünniger") hätten sich Terroristen eines Flugzeugs bemächtigt. Deutsche Gesetze verbieten einen Abschuss, auch wenn die Terroristen den Jet in eine Innenstadt oder auf ein Atomkraftwerk stürzen wollen. In Frankreich kann der Premier den Abschuss anordnen.

Germanwings-Absturz: Trauergottesdienst in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas
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