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Hunderte Menschen vorsorglich evakuiert: Gewaltiger Vulkanausbruch auf Island

zuletzt aktualisiert: 14.04.2010 - 19:25

London (RPO). Ein gewaltiger Ausbruch des eisbedeckten Vulkans Eyjafjallajökull hat auf Island Hochwasseralarm ausgelöst. Etwa 800 Anwohner wurden am Mittwoch in Sicherheit gebracht, weil glühendheiße Lava das Eis eines Gletschers über dem Vulkan zum Schmelzen brachte. Dampf und Rauch stiegen kilometerweit in die Höhe. Der Ausbruch war nach Angaben von Wissenschaftlern zehn bis 20 Mal so stark wie der erste vor knapp vier Wochen.

Der 120 Kilometer östlich von Reykjavik gelegene Vulkan war am 20. März erstmals seit fast 200 Jahren wieder ausgebrochen. Am Mittwoch stiegen die Pegelstände mehrerer Flüsse um bis zu drei Meter. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes, Vidir Reynisson, sagte, der Höhepunkt der Flutwelle sei möglicherweise am Nachmittag erreicht worden. "Aber das Wasser fließt immer noch zum Ozean herunter und es wird noch ein paar Stunden dauern, bis wir einen besseren Überblick über die Art der Schäden haben", sagte er.

Die Wucht des Ausbruchs sei so groß gewesen, weil es eine gegenseitige Beeinflussung mit Eis und Wasser gegeben habe, sagte Andy Russell von der University of Newcastle. "Statt eines netten Lava-Stroms, der aus dem Boden sickert, wird es viel explosiver." Anzeichen dafür, dass der in der Nähe gelegene Vulkan Katla auch ausbrechen könnte, gab es nach Angaben von Wissenschaftlern nicht.

Die Evakuierung des Gebiets um den Gletscher war schon vorher eingeleitet worden, nachdem es Berichte über eine erhöhte seismische Aktivität gab, wie der Sprecher des Katastrophenschutzes weiter mitteilte. Die Anwohner wurden in ein Rotkreuz-Zentrum in der nahe gelegenen Ortschaft Hvolsvollur gebracht. Die Hauptküstenstraße wurde unweit des Vulkans gesperrt. Arbeiter rissen ein Loch in die Fahrbahn, um dem Schmelzwasser ein Abfließen ins Meer zu erleichtern und damit zu verhindern, dass eine größere Brücke von den Fluten weggespült werden könnte.

Ausbruch am Nachbarvulkan überfällig

Die Wetterbehörde meldete eine mindestens acht Kilometer hohe Rauchwolke. Der Geophysiker Pall Einarsson von der Universität von Island erklärte, der Rauch sei ein Hinweis darauf, dass sich heißes Magma durch das 200 Meter dicke Eis über dem Krater des Vulkans fresse. Das Schmelzwasser fließe in Sturzbächen in tiefer liegende Gebiete. Der Geophysiker Gunnar Gudmundsson (richtig) vom isländischen Wetteramt erklärte, der erste Vulkanausbruch im vergangenen Monat habe in einem Gebiet stattgefunden, in dem es kein Eis gab. Jetzt fänden die Eruptionen wahrscheinlich acht oder neun Kilometer entfernt am Gipfel unter dem Eis statt.

Den bislang letzten Ausbruch am Eyjafjallajökull-Gletscher gab es 1821. Mehr Sorge bereitet den Experten der Vulkan Katla, der in der Vergangenheit oft zusammen mit dem Eyjafjallajökull ausgebrochen ist. Der Katla liegt unter dem dicken Eis des Myrdalsjökull-Gletschers. Dort fand der letzte Ausbruch 1918 statt. Nach Angaben von Vulkanologen ist ein neuer Ausbruch überfällig.

Quelle: apd/can

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