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70 Jahre nach dem Holocaust
Gewebeproben von KZ-Opfern in Straßburger Institut entdeckt

Gewebeproben von Holocaust-Opfern in Straßburg entdeckt
Hinter diesen Türen fanden Forscher die Gewebeproben aus der Zeit des Holocaust. FOTO: afp, ph/MM
Paris. 70 Jahre nach dem Holocaust sind in einem medizinischen Institut der Universität Straßburg Gewebeproben von jüdischen Nazi-Opfern entdeckt worden.

Wie am Montag bekannt wurde, kam der Forscher Raphael Toledano den Opfern anatomischer Experimente durch einen Brief eines Institutsdirektors aus dem Jahr 1952 auf die Spur. Camille Simonin, Leiter der Rechtsmedizin, schrieb damals an einen Richter, der einen Prozess zu den Verbrechen des Nazi-Forschers August Hirt vorbereitete.

Er fragte an, ob die Proben für das Gericht von Interesse seien. Es sei nicht bekannt, ob der Richter geantwortet habe, sagte der heutige Leiter der Rechtsmedizin, Jean-Sebastien Raul. Hirt hatte bereits im Juni 1945 Selbstmord begangen.

Fund der Proben war für Forscher "ein Schock"

Der Brief gab Hinweise auf die Lagerung der Proben. Sie stammten von Juden, die in speziell für Hirts Experimente gebauten Gaskammern im KZ Struthof bei Straßburg ermordet wurden. Straßburg war von Deutschland im Zweiten Weltkrieg annektiert worden; die französischen Wissenschaftler wurden von der "Reichsuniversität Straßburg" verwiesen.

Am 9. Juli fand Toledano die Proben in Reagenzgläsern und einem Fass in der nicht öffentlichen Sammlung des Instituts. "Es war ein Schock, dass diese Gläser immer noch da waren, dass wir in einer Museumsausstellung einen Teil dieser von den Nazis ermordeten Juden ausstellen", sagte Toledano.

Das Straßburger Bürgermeisteramt teilte mit, die Überreste der Holocaustopfer sollten der jüdischen Gemeinde der Stadt übergeben werden.

(ap)
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