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Kampagne in Saudi Arabien: Gratis-Hochzeit für Nichtraucher

zuletzt aktualisiert: 02.07.2009 - 16:34

Riad (RPO). Mit einer verlockenden Aktion will eine Wohltätigkeitsorganisation in Saudi Arabien junge Männer vor das Standesamt drängen. "Sie geben das Rauchen auf - wir geben die Hochzeit aus", werben Spruchbänder in Riad.

Diese Spruchbänder sollen heiratswillige Männer von der Zigarette wegbringen. Der Lohn: Eine Gratis-Hochzeit.  Foto: AP, AP
Diese Spruchbänder sollen heiratswillige Männer von der Zigarette wegbringen. Der Lohn: Eine Gratis-Hochzeit. Foto: AP, AP

Mit der Aussicht auf eine kostenlose Hochzeitsfeier versucht eine saudi-arabische Wohltätigkeitsorganisation derzeit, heiratswillige junge Männer vom Tabak zu entwöhnen. Die erste derartige Nichtraucherkampagne im Königreich findet Hunderte Interessenten. Einer bot gar an, mit dem Rauchen anzufangen, damit er aufhören und die Feier bezahlt bekommen könne.

Schließlich geht es um viel Geld. In der arabischen Welt ist es häufig Brauch, dass der Bräutigam allein die Kosten der Hochzeit trägt, einschließlich eines rauschendes Fests, einer Mitgift und eines voll eingerichteten Heims. Viele lassen sich daher mit dem Heiraten Zeit, bis sie genug gespart haben, um sich eine Braut leisten zu können.

Einige Kritikerinnen beschwerten sich, dass die Kampagne Frauen zur Ware degradiere. Doch die Organisatoren machen sich nichts daraus; sie finden es großartig, dass über die Gefahren des Rauchens gesprochen wird. Die Vereinigung mit dem schönen Namen "Reinheit" wirbt Autobahnbrücken, in Einkaufszentren und Universitäten und in Magazinen für ihre Aktion.

Bewerber muss erstmals heiraten

Bedingung für die Teilnahme ist, dass der Bewerber zum ersten Mal heiratet und einen Ehevertrag aus jüngster Zeit vorweisen kann. Am 6. August werden die Gewinner unter denjenigen ausgelost, die sich in einem einwöchigen Kurs das Rauchen abgewöhnt haben. Der Sieger erhält die Gratis-Hochzeit, 20 weitere bekommen immerhin das Mobiliar geschenkt.

Als Zielvorstellung nennt "Reinheit"-Generalsekretär Sulaiman al Sobi die qualmfreie Familie. Ein Viertel der Einwohner ist Raucher, ein Drittel der Schulkinder wachsen einer Gesundheitsstudie von 2007 zufolge in Raucherhaushalten auf.

Al Sobi rechnet mit tausenden Teilnehmern. Ohne diese Aktion hätte er gar nicht versucht aufzuhören, räumt Ali al Abdullah ein. Der 22-Jährige ist mit seiner Cousine verlobt und raucht täglich eineinhalb Schachteln, "zwei, wenn ich Stress habe".

Hunderte haben sich bei der Organisation nach Angaben ihres Sprechers Salem al Madschdali schon beworben oder nähere Informationen angefordert. Darunter war auch der Nichtraucher, der extra zum Raucher geworden wäre. Ein anderer wollte wissen, ob denn auch eine Braut gestellt würde: "Dürfen wir uns aus einer Auswahl eine aussuchen?", begehrte er dem Sprecher zufolge zu wissen.

Doch die Aktion stößt auch auf Ablehnung. Manche finden es unmöglich, die Raucherei mit dem heiligen Bund der Ehe in Zusammenhang zu bringen. Andere fragen, wie man ein solches Unterfangen ohne den Segen der Geistlichkeit beginnen könne. Und wieder andere wie die Kolumnistin Maha al Hudschailan finden das Konzept einfach sexistisch.

Kampagne stößt auch auf Kritik

"Die Kampagne richtet sich an männliche Raucher mit der Idee: Hört auf, euch mit einer Zigarette zu vergnügen und nehmt stattdessen eine Frau", empörte sie sich in der Zeitung "Al Watan".

Susan al Maschhadi schrieb in "Al Hayat", die Araber hätten den Westen immer dafür kritisiert, dass er Frauen als Werbemittel benutze: "Und jetzt greifen wir zu derselben Zwei-in-eins-Methode wie bei einem Haarwaschmittel, das Reinigung und Pflege zugleich verheißt."

"Reinheit"-Sprecher Al Madschdali meint, manche hätten den Slogan vielleicht missverstanden. "Haben wir etwa gesagt, dass wir eine Frau anbieten?!", fragt er. "Dass die Leute über die Kampagne streiten, zeigt auf jeden Fall, das wir unser Ziel erreicht haben, das Thema ins Gespräch zu bringen."

Quelle: AP

 
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