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Griechenland, Türkei, Italien
Dort Urlaub machen, wo Flüchtlinge ankommen?

Fotos: So leben die Flüchtlinge auf Kos
Fotos: So leben die Flüchtlinge auf Kos FOTO: Leslie Brook
Meinung | Düsseldorf. Das Foto des dreijährigen Aylan, leblos am Strand liegend, hat uns alle verändert. Seine Leiche wurde nahe der Tourismushochburg Bodrum in der Türkei gefunden. Viele Urlauber stellen sich nun die Frage: Sollten wir noch am Mittelmeer Urlaub machen? Ja, sollten wir. Von Philipp Jacobs

600 bis 1000 Flüchtlinge starten jeden Tag von den türkischen Küsten Richtung Griechenland. Geplagt von Hunger, von Durst und dem Wunsch nach einem Leben fernab jedweder Kriege. In den Straßen begegnen sie Urlaubern aus reichen Ländern. Wohlstand trifft Elend. "Ich weiß nicht, ob ich in diesen Gebieten derzeit meine Ferien verbringen könnte", sagte vor Kurzem eine Bekannte. "Das ist doch kein Urlaub mehr." Sie hat recht. Und trotzdem sollten wir dem Mittelmeer nicht fernbleiben.

Natürlich sollte jeder wissen, dass sein Urlaub auf Rhodos, Lesbos oder Kos derzeit nicht dem klassischen Bild von Entspannung entspricht: faulenzend in der Sonne liegend und Cocktails schlürfend. Wir müssen uns eingestehen, dass Teile der griechischen, türkischen und auch italienischen Küste keine Ferienidylle mehr sind, die wir noch aus anderen Zeiten kennen.

Diese Fotos bewegten die Welt FOTO: Nilüfer Demir/Dogan News Agency/AFP

Doch wir dürfen unsere Blicke nicht abwenden. Es ist wichtig, dass wir sehen, was auf diesen Inseln, auf dem Meer, passiert. Ein Fernbleiben der Urlauber würde das Chaos sogar noch verschärfen: Ohne den Tourismus bräche den Urlaubsorten einer der wichtigsten Wirtschaftszweige weg. Im vergangenen Jahr etwa spülte der Tourismus 13,4 Milliarden Euro in die griechischen Kassen. Nicht auszudenken, wie das finanziell gebeutelte Land ohne dieses Geld zurechtkäme.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti 2010 reisten viele Urlauber kurz nach der Katastrophe wieder dorthin und sonnten sich an den Stränden, an denen zahlreiche Menschen starben. Unmoralisch? Mag sein. Es half jedoch auch beim Wiederaufbau und war deshalb eine Form der Solidarität.  

Quelle: RP
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