Mordanklagen vorerst zurückgezogen: Großteil der Minenarbeiter in Südafrika freigelassen
zuletzt aktualisiert: 04.09.2012 - 14:19Pretoria (RPO). Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in der südafrikanischen Platinmine Marikana ist der Großteil der 270 festgenommenen Minenarbeiter wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Ein Gericht in Pretoria ließ am Montag 162 Bergarbeiter frei, gegen die zuvor Mordanklage erhoben war. Einige der Freigelassenen berichteten in südafrikanischen Medien am Dienstag über Schläge und Misshandlungen in Haft.
Richter Esau Bodigelo entschied, zunächst 47 Bergarbeiter freizulassen. Später wurden dann weitere 115 Arbeiter aus der Haft entlassen. Das Gericht bestätigte zugleich Angaben der Staatsanwaltschaft, wonach die Mordanklagen gegen die Arbeiter vorerst zurückgezogen werden. Die restlichen Festgesetzten sollen ebenfalls noch in dieser Woche freikommen, sofern ihre Adressen verifiziert werden können und geklärt ist, dass sie nicht in die Gewalt im Vorfeld des blutigen Einsatzes Mitte August verwickelt waren. Einige von ihnen müssen sich im kommenden Jahr aber wegen öffentlicher Gewalt und illegaler Versammlung verantworten.
Mordanklage sorgt für Empörung
Bodigelo hatte mit der Mordanklage gegen die 270 Bergleute vergangene Woche für Empörung gesorgt, nachdem 34 ihrer Kollegen bei dem blutigen Einsatz im Zuge eines Streiks Mitte August in Marikana von der Polizei erschossen worden waren. Der Richter hatte die Anklage nicht begründet. Juristen gehen jedoch davon aus, dass er sich dabei auf ein Gesetz aus der Zeit der Apartheid berief, wonach bei einer Schießerei unter Beteiligung der Polizei alle Menschen angeklagt werden, die vor Ort festgenommen wurden.
Angesichts der öffentlichen Empörung hatte die Staatsanwaltschaft am Sonntag die Aussetzung der Mordanklagen verkündet. Für viele Inhaftierte ist es aber unmöglich, eine gültige Adresse vorzuweisen, da es sich bei ihnen um Wanderarbeiter handelt, die in Baracken bei den Minen hausen. Eine gültige Adresse ist aber Bedingung für die Freilassung.
Einige Freigelassene berichteten südafrikanischen Medien zudem von Gewalt durch Polizisten in Haft. Er und seine Mitgefangenen seien geschlagen und geohrfeigt worden und Beamte seien mit Stiefeln über ihre Finger gelaufen, sagte der Arbeiter Bonginkosi Mtolo der "Times" vom Dienstag. Ein anderer berichtete dem Portal "Daily Maverick" von Faustschlägen und Tritten, einem weiteren Häftling zufolge mussten die Gefangenen lange mit erhobenen Händen an der Wand stehen, während sie geschlagen wurden.
Vier Minenarbeiter verletzt
Bei neuen Auseinandersetzungen in einer Goldmine östlich von Johannesburg wurden nach Polizeiangaben vier Minenarbeiter verletzt. Rund 200 nach einem wilden Streik gefeuerte Arbeiter griffen demnach mit Stöcken und Eisenstangen ehemalige Kollegen an. Vier Arbeiter seien ins Krankenhaus gebracht worden. Der Vorfall werde derzeit untersucht. Vier Menschen wurden wegen versuchten Mordes festgenommen. In einer Goldmine westlich der Stadt blieben indes weiterhin unzählige Kumpel der Arbeit fern.
Die landesweite Bergarbeitergewerkschaft NUM versicherte derweil, die "Lage im Griff" zu haben. Die Vertretung zeigte sich jedoch beunruhigt, dass sich die Streiks und die Gewalt weiter ausweiten könnten. Der Sektor sei eine "Säule" der südafrikanischen Wirtschaft, sagte Generalsekretär Frans Baleni.

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