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Rettungschwimmer-Video
Hätten Sie das ertrinkende Kind bemerkt?

Rettungschwimmer-Video: Hätten Sie das ertrinkende Kind bemerkt?
Eine Szene aus dem Video, das bei Youtube veröffentlicht wurde. FOTO: Youtube/ Lifeguard Rescue
Düsseldorf. Wer Ertrinken nur aus Filmen kennt, hat eine völlig falsche Vorstellung davon, wie der Todeskampf im Wasser normalerweise aussieht. Ein Youtube-Video zeigt, wie ein Kind in einem Pool voller Menschen in Not geraten kann, ohne dass die Badenden um es herum etwas bemerken. Von Judith Conrady

Das Video zeigt einen gut besuchten Swimmingpool im Whirlin' Waters Adventure Park in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Eine Kamera am Beckenrand zeichnet die Situation im Becken auf. Zu sehen sind viele Kinder auf Schwimmringen und auch einige Erwachsene. Plötzlich springt die Rettungsschwimmerin vom Beckenrand ins Wasser. Sie hat einen Jungen entdeckt, der zu ertrinken droht - während die Menschen direkt um ihn herum nichts bemerken. Sie sind abgelenkt und halten die hektischen Bewegungen des Kindes vermutlich für fröhliches Planschen.

Machen Sie selbst den Test: Entdecken Sie im Video das Kind, das zu ertrinken droht?

Erst, als die Rettungsschwimmerin das Kind erreicht hat, es aus dem Wasser in ihre Arme zieht und es zu beruhigen versucht, wird den anderen Badenden klar, dass sich gerade eine bedrohliche Situation abgespielt hat. In den ersten Momenten sind Menschen, die im Wasser in Not geraten sind, meist immerhin noch an ihren hektischen Bewegungen zu erkennen - wie der Junge im Video. Doch das ändert sich innerhalb kürzester Zeit.

Ganz anders als im Film

Wie der Rettungschwimmer Mario Vittone in seinem Blog anschaulich erklärt, haben die meisten Menschen eine völlig falsche Vorstellung davon, wie es aussieht, wenn jemand zu ertrinken droht. Anders als im Fernsehen oder im Kino schreien die meisten Ertrinkenden nicht. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, ihren Mund über der Wasseroberfläche zu halten und nach Luft zu schnappen. Wenn die Überlebensinstinkte des Körpers die Kontrolle übernehmen, hat das Atmen Vorrang vor dem Sprechen oder Schreien - das lässt sich bewusst kaum steuern.

Meist zappeln Ertrinkende auch deutlich weniger, als ein Laie es erwarten würde. Wer zu ertrinken droht, breitet seine Arme instinktiv seitlich aus und versucht, sich gegen den Wasserwiderstand hochzudrücken, um den Mund über die Wasseroberfläche zu bekommen. Dadurch treiben Ertrinkende häufig aufrecht im Wasser. Wer sich nicht auskennt, kann leicht denken, dass alles in Ordnung sei.

Immer wieder komme es vor, so Vittone, dass Erwachsene in der Nähe sind, während ihre Kinder ertrinken - ohne etwas zu bemerken.

Echte Warnsignale

Vittone erklärt in seinem Blog, welche Anzeichen Profis dabei helfen, Ertrinkende zu entdecken.

  1. Der Kopf liegt tief im Wasser, der Mund befindet sich an der Wasseroberfläche.
  2. Der Kopf ist nach hinten geneigt, der Mund geöffnet.
  3. Glasige Augen, die ins Leere blicken
  4. oder: geschlossene Augen
  5. Die Haare liegen über Stirn und Ohren.
  6. Die Person benutzt ihre Beine nicht, um sich über Wasser zu halten, und treibt aufrecht im Wasser.
  7. Sie hyperventiliert und schnappt nach Luft.
  8. Sie versucht, sich auf den Rücken zu drehen
  9. Sie sieht aus, als wolle sie eine unsichtbare Leiter hochklettern

Der Manager des Parks, Kevin Rowland, in dem das Video mit dem kleinen Jungen veröffentlicht hat, hat in seinem Youtube-Kanal eine ganze Reihe weiterer Videos von Notsituationen in seinem Schwimmbecken hochgeladen. In allen Fällen haben die Rettungsschwimmer des Parks schnell genug reagiert. Rowland möchte mit den Videos darauf aufmerksam machen, wie leicht man übersehen kann, wenn ein Schwimmer in der Nähe in eine Notsituation geraten ist. Weit über fünf Millionen Menschen haben das Video mit dem kleinen Jungen bisher gesehen.

 

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