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Erdbeben von 2010
500 Millionen Dollar an Spenden, aber nur sechs Häuser für Haiti

Haiti: Überleben in Zeltlagern
Haiti: Überleben in Zeltlagern FOTO: AFP
Washington. Als im Jahr 2010 das verheerende Erdbeben über Haiti hereinbrach, sammelten Dutzende Hilfsorganisationen für die Opfer. Das Amerikanische Rote Kreuz aber muss sich nun schwere Vorwürfe von US-Reportern anhören. Sie kritisieren, dass aus den geplanten Aufbauprojekten kaum etwas geworden sei. Von Dana Schülbe

Justin Elliott, Reporter bei ProPublica, und Laura Sullivan vom National Public Radio stützten sich bei Recherchen auf interne E-Mails der amerikanischen Hilfsorganisation und Interviews mit Betroffenen vor Ort. Sie sagen, dass die Versprechen, welche das Rote Kreuz in den USA nach dem Erdbeben abgegeben hätten, kaum erfüllt worden seien. Dabei habe die Organisation rund 500 Millionen US-Dollar eingesammelt. 

"Es ist schwer nachzuvollziehen, wo all das Geld hinging", heißt es auf der Webseite des National Public Radio. So sage die Organisation selbst, man habe Häuser für 130.000 Menschen bereitgestellt. Am Ende seien aber nur sechs Häuser entstanden. So sollte etwa im Viertel Campeche in der Hauptstadt Port-au-Prince eine ganz neue Nachbarschaft entstehen. Die Reporter besuchten das Viertel, beschreiben, dass die Menschen in Zelten leben, es gebe kein fließendes Wasser. Einer der Verantwortlichen in dem Viertel sagte den Reportern, das Amerikanische Rote Kreuz habe hunderte neue Häuser bauen, ein Wasser- und Sanitärsystem errichten wollen. Nichts sei geschehen. "Wir haben immer noch Zelte", sagt Jean Jean Flaubert.  Auch aus internen Unterlagen der Organisation, so die Reporter, gehe hervor, dass dort 700 neue Häuser gebaut werden sollten. Mehr als Wellblechhütten sahen die Reporter aber nicht.

Haiti: Angst vor Cholera und Sturm Tomas FOTO: AFP

Es ist nur eines von mehreren Beispielen, die in dem Bericht auch unter Verweis auf die internen Dokumente aufgezeigt werden. Und es werden auch Gründe für Probleme dargelegt, die das Amerikanische Rote Kreuz vor Ort gehabt habe. So hätten etwa viele Projekte an lokale Organisationen abgegeben werden müssen (was nicht ungewöhnlich ist), die wiederum Geld für ihre Verwaltungskosten von den Spenden nahmen. Auf der anderen Seite hätte aber die amerikanische Leitung vieles kontrolliert, die Stellen seien aber mit Menschen besetzt worden, die weder Französisch noch kreolisch sprechen konnten – was sich insbesondere bei Meetings vor Ort schwierig gewesen sei.

Zudem hätte es Probleme mit den Landrechten gegeben, da etwa die Eigentümer der Grundstücke nicht registriert waren. In der Folge hätten die Häuser nicht gebaut werden können. Auch das waren Probleme, vor die andere Organisationen ebenfalls gestellt wurden. Doch die, so die beiden Reporter, hätten immerhin 9000 Häuser gebaut. 

April 2010: Shakira und Sean Penn helfen in Haiti FOTO: AP

Als aber beim Amerikanischen Roten Kreuz bestimmte Projekte nicht nach Plan liefen, habe es E-Mails gegeben, die zeigten, dass man nicht richtig gewusst habe, was man mit den Spenden anfangen solle. So habe Gail McGovern, die Chefin der Organisation, eine E-Mail an einen Berater mit den Worten geschrieben: "Das Projekt im Norden bricht zusammen, und wir haben nach wie vor 20 Millionen Dollar an zweckgebundenen Mitteln. Irgendwelche Ideen, wie der Rest davon auszugeben ist??"

Das Deutsche Rote Kreuz übrigens legt Wert darauf, dass die Schwesterorganisation völlig unabhängig und eigenständig arbeite, wie Zeit Online schreibt. Zu den eigenen Projekten in Haiti sagte ein Sprecher dem Portal: "Wir waren schon vor dem Erdbeben in Haiti tätig und standen deshalb nicht vor dem Problem, dass wir vor Ort keine Ansprechpartner oder keinen Zugang hatten. Außerdem arbeiten wir eng bei allen unseren Projekten mit dem Haitianischen Roten Kreuz zusammen, sodass die lokale und regionale Verankerung gegeben ist."  

Die Plünderer von Haiti FOTO: AP
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