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Belagerte syrische Stadt
Hilfslieferung für Hungernde vor Madaja eingetroffen

Hilfslieferung für Hungernde in Madaja auf dem Weg
Ein Hilfskonvoi des Internationalen Roten Kreuzes in Syrien. FOTO: afp, ADL/FC
Damaskus/Genf. Die Hilfslieferung für Madaja ist vor der belagerten syrischen Stadt eingetroffen. Dort sind Tausende Menschen vom Hungertod bedroht.

Der Konvoi aus etwa 40 Lastwagen mit Nahrung und Medikamenten erreichte nach Angaben eines Sprechers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag die Zufahrt zu der Stadt im Westen Syriens. Sie ist seit einem halben Jahr eingeschlossen.

Helfer erwarteten den Konvoi erst am Nachmittag in der Stadt. Zuvor müssten die Laster noch mindestens 20 Kontrollpunkte der Regimetruppen passieren.

In Madaja warten insgesamt etwa 40.000 Menschen auf die lange herbeigesehnte Lieferung. In dem Ort starben seit Dezember nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mindestens 23 Menschen wegen Mangelernährung.

Aushungern gilt als Kriegsverbrechen

Das gezielte Aushungern von Zivilisten gilt völkerrechtlich als Kriegsverbrechen. Laut Völkerstrafgesetzbuch wird mit mindestens drei Jahren Haft bestraft, "wer das Aushungern von Zivilpersonen als Methode der Kriegsführung einsetzt, indem er ihnen die für sie lebensnotwendigen Gegenstände vorenthält oder Hilfslieferungen unter Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht behindert".

Schon im Juni 2015 hatte der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in einem Bericht zur Lage im Bürgerkriegsland Syrien darauf hingewiesen, dass alle Konfliktparteien systematisches Aushungern wie in der Stadt Madaja als Kampfmethode einsetzen. Blockaden und Belagerungen führen dazu, dass Tausende Menschen an Hunger und mangelnder medizinischer Versorgung sterben.

Als Kriegsstrategie hat das gezielte Aushungern der Bevölkerung eine lange Geschichte. Im Bosnienkrieg (1992-1995) zum Beispiel riegelten serbische Truppen die Stadt Sarajevo fast vier Jahre lang von der Außenwelt ab und beschossen das Stadtgebiet von den umliegenden Bergen aus. Tausende kamen ums Leben.

Die 900 Tage dauernde deutsche Blockade Leningrads zwischen 1941 und 1944 gilt als eines der schwersten Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Auf Befehl Adolf Hitlers sollte die Stadt durch Aushungern ihrer Bewohner ausgelöscht werden. Mehr als eine Million Menschen starben.

(das/dpa)
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