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Geberkonferenz entscheidet über Aufbauhilfen
Hoffnungsschimmer für Haiti

Überleben im Elend
Überleben im Elend FOTO: AFP
Washington (RPO). Die Aufgabe für die Helfer ist gewaltig, die Not in Haiti ist groß. Am Mittwoch kommen auf Einladung der Vereinten Nationen Vertreter von mehr als hundert Ländern in New York zusammen, um den Wiederaufbau des im Januar von einem Erdbeben zerstörten Landes voranzutreiben. Denn noch immer leben Zehntausende in Not und Elend.

Große Teile der Hauptstadt Port-au-Prince liegen in Trümmern, 1,3 Millionen Menschen wurden obdachlos. Zu den vordringlichsten Aufgaben zählt es nun, hunderttausenden Menschen aus elenden und hygienisch problematischen Notunterkünften in Zelten zu einem neuen Zuhause zu verhelfen. Mehr als 220.000 Menschen wurden durch das Beben getötet, die Schäden werden auf acht Milliarden Dollar geschätzt - das ist weit mehr als Haitis jährliche Wirtschaftsleistung vor dem Erdbeben.

Doch die Not könnte sich noch verschärfen. Denn mehr als 45.000 Menschen sind Unicef zufolge in sieben Flüchtlingslagern von Überschwemmungen und Erdrutschen bedroht. Die nun einsetzende Regenzeit könnte außerdem die Ausbreitung von Krankheiten gerade unter Kindern fördern. Rund 1,5 Millionen Kinder leiden demnach unter den Folgen der Katastrophe.

Vier Milliarden Dollar erhofft

Im Vorfeld  der Konferenz legten nun die USA bereits ihre Prioritäten für den Wiederaufbau des Landes dar. Laut Außenministerium in Washington sollen die US-Hilfen vor allem in die Bereiche Gesundheit, Landwirtschaft, Energie und Sicherheit fließen. Zudem solle die haitianische Regierung bei der Organisation von Wahlen unterstützt werden. "Noch immer gibt es dramatische Bedürfnisse, die angegangen werden müssen", sagte Cheryl Mills, Haiti-Beraterin von US-Außenministerin Hillary Clinton.

Die Vereinten Nationen hoffen, dass bei dem Treffen rund vier Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) für das Land zusammenkommen. Doch selbst diese große Summe wird nicht viel mehr sein als eine erste Tranche, der noch viele weitere folgen müssen. Denn für den Wiederaufbau werden laut Schätzungen der UN 11,5 Milliarden Dollar benötigt.

Für die nächsten anderthalb Jahre benötige Haiti vier Milliarden Dollar, "um Krankenhäuser, Schulen, Straßen und Häfen zu bauen", sagte der UN-Interimsgesandte für den Karibikstaat, Edmond Mulet. Mit dem Geld solle das Land außerdem umgeformt werden, um "es auf den Weg des Wachstums und der Modernisierung zu bringen".

Die Hilfszusagen, die sich die UN erhofft, "sollen das Lebensblut für Haitis Aufbau nach dem Erdbeben sein und das Fundament für die langfristige Entwicklung legen, die Haiti verdient", wie Helen Clark, die Chefin des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP), sagt. Nach den Soforthilfen in Reaktion auf das Erdbeben gehe es nun um den langfristigen Aufbau Haitis, das bereits vor der Naturkatastrophe zu den ärmsten Ländern der Welt zählte.

Der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive will auf der Konferenz einen "Aktionsplan für nationalen Wiederaufbau und Entwicklung" vorstellen. Dabei soll der Wiederaufbau staatlicher Institutionen und Strukturen im Mittelpunkt stehen.

Die Experten sind sich im Klaren, dass die Hilfen wenig ausrichten würden, sollten sich Haitis alte Probleme erneut des Landes bemächtigen: Korruption, Misswirtschaft, politische Instabilität. "Der Wiederaufbau muss mehr als nur Trümmer zur Seite räumen", schrieb die "New York Times" in einem Kommentar am Wochenende.

Langfristige Hilfen gefordert

Vor der Konferenz forderten EU, UN und zahlreiche Hilfsorganisationen eine nachhaltige Unterstützung des Landes. Wie die EU am Dienstag in Brüssel ankündigte, stellen die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten 1,2 Milliarden Euro für den Wiederaufbau und den Entwicklungsprozess Haitis bereit.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton betonte, Haiti sei auf die langfristige Hilfe seiner Entwicklungspartner angewiesen. Daher wolle sie sich bei der Konferenz für einen Zehn-Jahres-Wirtschaftsplan einsetzen, der es den Haitianern ermögliche, gestärkt aus der Tragödie hervorzugehen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, Haiti brauche keinen Wiederaufbau, sondern einen Neuaufbau. Ein UN-Sprecher warnte davor, beim Wiederaufbau Haitis die Rechte der haitianischen Bürger außer Acht zu lassen. Die internationale Gemeinschaft müsse den Zugang der Haitianer zu sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen sowie zivilen und politischen Rechten sicherstellen.

Die Hilfsorganisation Oxfam forderte, die haitianische Regierung und die Zivilgesellschaft müssten eine zentrale Rolle im Wiederaufbau spielen. "Die Haitianer erklären sehr deutlich, dass sie auf eigenen Füßen stehen und mit eigenen Händen ihr Land wiederaufbauen möchten", so Oxfam. Aufgabe der internationalen Gemeinschaft sei eine nachhaltige Unterstützung, die den Haitianern Hilfe zur Selbsthilfe leiste.

Ähnlich äußerte sich auch das Bonner Don-Bosco-Hilfswerk und das katholische Hilfswerk Misereor. Die Welthungerhilfe in Bonn betonte, entscheidend sei nicht allein, welche Summen genannt würden, sondern vor allem die langfristige Einhaltung der Zusagen.

(AFP/apd/KNA/das)
 
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