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Nach Legalisierung der Homo-Ehe
Großer Jubel und erste Trauungen in den USA

Fotos: Jubel in Washington nach Legalisierung der Homo-Ehe
Fotos: Jubel in Washington nach Legalisierung der Homo-Ehe FOTO: dpa, mr lb lof mbk
Washington. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen künftig in allen 50 Staaten der USA heiraten. Der Oberste Gerichtshof des Landes fällte die Entscheidung nach jahrelangem Rechtsstreit am Freitag mit dem knappen Ergebnis von fünf zu vier Stimmen. US-Präsident Barack Obama sprach von einem "Donnerschlag". Die Richter hätten das Prinzip bestätigt, dass alle Amerikaner von Geburt an gleich seien.

Durch die Entscheidung müssen nun auch jene 14 US-Staaten Homo-Ehen akzeptieren, die diese bisher verboten hatten. In den übrigen 36 Staaten sowie im Hauptstadtbezirk Washington durften schwule und lesbische Paare nach Entscheidungen örtlicher Gerichte bereits heiraten. Hunderte Aktivisten versammelten sich vor dem Obersten Gerichtshof, schwenkten Regenbogenflaggen und skandierten "Die Liebe hat gewonnen".

Im US-Bundesstaat Georgia wurden erste Paare getraut

In seiner Begründung zum Urteil schrieb Richter Anthony Kennedy, die klagenden gleichgeschlechtlichen Paare würden die Institution der Ehe respektieren. "Sie bitten um gleiche Würde in den Augen des Gesetzes. Die Verfassung gewährt ihnen dieses Recht." Der Vorsitzende Richter John Roberts, der gegen die Legalisierung gestimmt hatte, erklärte hingegen: "Dieses Gericht ist kein gesetzgebendes Organ. Ob die Homo-Ehe eine gute Idee ist, geht uns nichts an."

Die unterlegene Partei hat eigentlich drei Wochen Zeit, um eine nochmalige Prüfung des Urteils zu beantragen. Dennoch kündigten einige Staaten umgehend an, Heiratsurkunden für homosexuelle Paare auszustellen. In Georgia, wo die Homo-Ehe bisher verboten war, wurden noch am Freitag erste Paare getraut.

Der Oberste Gerichtshof hatte Gesetze aus mehreren US-Staaten geprüft, in denen die Heirat als Vereinigung zwischen Mann und Frau definiert wurde. In diesen Staaten war die Homo-Ehe gemäß dieser Definition verboten, und sie erkannten auch die Ehe homosexueller Paare nicht an, die sich nach den Gesetzen eines anderen US-Staates trauen hatten dürften.

Innerhalb eines Jahres riesige Fortschritte in der Gleichbehandlung

Der Kampf der Befürworter für die Legalisierung der Homo-Ehe in den USA hatte in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen. 2013 hatte der Oberste Gerichtshof einen Teil eines Gesetzes gekippt, das legal verheirateten homosexuellen Paaren jene Unterstützungen des Staates verweigerte, auf die heterosexuelle Ehepartner Anspruch hatten. Gerichte in mehreren Staaten nahmen das Urteil zum Anlass, um die Homo-Ehe an sich für rechtens zu erklären.

Die Urteile fielen Schlag auf Schlag. Im vergangenen Oktober war die Homo-Ehe gerade einmal in einem Drittel der US-Staaten legal gewesen. Nach Zahlen des Williams Institute an der University of California gibt es in den USA bisher 390.000 verheiratete gleichgeschlechtliche Paare.

(ap)
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