Vergiftete Schüler aus der Türkei: "Ich konnte nichts mehr sehen"
zuletzt aktualisiert: 07.04.2009 - 12:13Lübeck (RPO). Erstmals hat einer der mit gepanschtem Alkohol in der Türkei vergifteten Schüler öffentlich über die Ereignisse gesprochen. "Ich konnte nichts mehr sehen", sagte der 18-jährige Dustin K., der seine Methanolvergiftung überlebte, laut einem Medienbericht.
Zusammen mit einigen Mitschülern hatte er auf einer Klassenfahrt im türkischen Badeort Kemer mit Methanol vergifteten Alkohol getrunken. Drei Mitschüler starben daran.
Eines der der jungen Männer, bei denen am vergangenen Wochenende der Hirntod diagnostiziert worden war, war Dustins Zimmernachbar. Dieser habe für 25 Euro bei einem Kellner Cola und zwei Flaschen Wodka gekauft. Niemand habe geahnt, dass damit etwas nicht in Ordnung sein könnte: "Die Mischung schmeckte nicht anders", sagte der Schüler der "Bild"-Zeitung.
Auf dem Zimmer sei er sofort eingeschlafen. Nachts hätten er und sein Zimmernachbar sich übergeben. "Dann bin ich erst am Abend wieder aufgewacht", sagte Dustin weite. Da sei ihr Lehrer ins Zimmer gekommen und habe erzählt, dass ihr Mitschüler Rafael gestorben sei.
Bei Methanol-Vergiftung hilft Ethanol
Anschließend gingen die Schüler laut Dustin K. zusammen in das gegenüberliegende Krankenhaus. "Dort bin ich sofort wieder eingeschlafen." Als es den Jugendlichen immer schlechter ging, wurden sie nach Antalya verlegt. "Während der Fahrt habe ich starke Sehstörungen bekommen." Es sei unerträglich hell gewesen, er habe nichts mehr sehen können, berichtete der 18-Jährige: "Ich bekam Panik."
In der Klinik in Antalya hätten die Ärzte sofort begriffen, was geschehen sei: "Ich bekam einen Schlauch in die Nase, dann pumpten sie einen halben Liter Raki in mich rein", sagte Dustin K. der "Bild". Die andere Hälfte des Liters habe eine Mitschülerin bekommen.
Dies helfe, weil im Körper beim Abbau von Methanol giftige Ameisensäure entstehe: Müsse der Köper dann normalen Alkohol, also Ethanol, abbauen, scheide er das giftige Methanol einfach aus, berichtete "Bild" unter Berufung auf Mediziner.
Die Schüler des Lübecker Mortzfeld-Bildungszentrums hatten im türkischen Urlaubsort Antalya nach derzeitigen Erkenntnissen gepanschten oder schwarz gebrannten Schnaps getrunken. Bei zwei Schülern war nach Angaben der Universitätsklinik Schleswig-Holstein am Samstag der Hirntod festgestellt worden. Am Donnerstag waren sie von der Türkei nach Lübeck ausgeflogen worden.
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