Ban trifft Junta-Chef: Immer mehr Kinder in Birma erkrankt
zuletzt aktualisiert: 21.05.2008 - 13:33Rangun (RPO). Trotz des kritischen Zustands von zahlreichen Menschen in Birma öffnet die Militärjunta die Grenzen des Landes nur zögerlich. Erst seit Mittwoch sind den Vereinten Nationen (UN) Hubschrauberflüge ins Katastrophengebiet erlaubt, ausländische Helfer und tausende Tonnen Hilfsgüter über Schiffe dürfen aber nicht ins Land. Leidtragende sind vor allem Kinder.
In Teilen des Landes grassieren Durchfallerkrankungen, die besonders für Kinder lebensgefährlich sind. In Labutta im Irrawaddy-Delta sei etwa schon jedes dritte Kind betroffen, berichtete das Kinderhilfswerk Unicef am Mittwoch. Ohne Hilfe sei die Gefahr groß, dass ihre Körper austrockneten. Doch auch die Helfer, die ein Visum für Birma bekamen, dürfen nicht in das Katastrophengebiet reisen, was Hilfseinsätze weiter kompliziert und verzögert. Von den rund 2,5 Millionen Hilfsbedürftigen in Birma konnten laut UN bislang nur 500.000 erreicht werden.
Vor der Küste des südostasiatischen Landes kreuzen Schiffe der amerikanischen, französischen und britischen Marine mit Hilfsladungen an Bord. Allein die vier US-Kreuzer könnten 14 Hubschrauber, Landeboote und Amphibienfahrzeuge für den Einsatz in schwer erreichbaren Gebieten des Irrawaddy-Deltas bereitstellen. Doch die Hilfe der amerikanischen Streitkräfte lehnt die Junta ab. Das Regierungsblatt "Das Neue Licht von Myanmar"schreib am Mittwoch, die USA wollten das Land einnehmen und die birmanischen Ölquellen unter ihre Kontrolle bringen.
UN-Generalsekretär Ban will am Donnerstag zu Gesprächen mit Juntachef General Than Shwe in Brima zusammentreffen. Ban sagte kurz vor seiner Abreise, dass die Regierung den Einsatz von neun Hubschraubern des Welternährungsprogramms (WFP) genehmigt habe. Er ging nach eigenen Worten davon aus, dass auch die Erteilung von Visa für ausländische Helfer beschleunigt würde.
Fünf US-Flüge mit Hilfsgütern pro Tag
Während US-Hilfe an Land von der Junta abgelehnt wird, fliegen täglich Frachtmaschinen vom Typ C-130 Hercules fünf mal mit Hilfsgütern von Bangkok nach Rangun. Dort wird die Ladung an die Regierung übergeben, die die Verteilung der Güter nicht aus der Hand geben will. Die offizielle Zahl der Todesopfer des Zyklons liegt bei 78.000. Zusätzlich werden 56.000 Menschen vermisst.
Die wirtschaftlichen Schäden gibt die Militärregierung mit mehr als zehn Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) an, weshalb sie eine Geberkonferenz einberufen hat. Die Kontrolle über eventuelle Spenden will sich die Regierung offenbar selbst vorbehalten.
Die in Birma herrschenden Generäle haben seit Jahren Angst vor einer möglichen Invasion durch ausländische Mächte und schotten sich daher völlig ab. Jede Einmischung des Auslands betrachten sie als Bedrohung ihrer Herrschaft.
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