Strapaziöse Auslandseinsätze: Immer mehr Soldaten sind traumatisiert
zuletzt aktualisiert: 10.11.2010 - 07:17Halle (RPO). In Deutschland sind so viele Bundeswehr-Soldaten traumatisiert wie noch nie seit Beginn der Auslandseinsätze. Die Zahl der Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen sei in den ersten drei Quartalen auf 483 gestiegen, berichtet eine Zeitung.
Die Zahl der in Behandlung befindlichen Bundeswehrsoldaten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) ist so hoch wie noch nie seit Beginn der Auslandseinsätze. Das geht nach einem Bericht der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" aus neuesten Statistiken des Trauma-Zentrums der Bundeswehr hervor, die der Zeitung vorliegen. Die Zahl der 2010 behandelten PTBS-Kranken lag demnach in den ersten drei Quartalen bei 483 und ist damit bereits höher als im ganzen letzten Jahr.
Die Häufigkeit der PTBS-Fälle hat danach kontinuierlich zugenommen - von 149 im Jahr 2007, 245 (2008), 466 (2009) auf 483 bis Ende September 2010. In diesem Jahr entfallen 397 der 483 PTBS-Behandlungen auf Soldaten im Afghanistan-Einsatz, 28 auf Soldaten, die auf dem Balkan Dienst taten, und 58 auf andere, nicht näher spezifizierte Auslöser.
Peter Zimmermann, Psychiater am Bundeswehr-Krankenhaus in Berlin und Leiter des Trauma-Zentrums, sagte der Zeitung: "Der Behandlungsbedarf ist im Laufe der Jahre gewachsen. Denn der Einsatzdruck und die Einsatzbelastung sind gestiegen. Ich sehe aber auch einen Trend zu mehr Bereitschaft bei den Soldaten, sich in Behandlung zu begeben."
Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, verwies auf die steigende Zahl der Gefechte. "Die Soldaten erleben nicht nur, dass der Kamerad neben ihnen verwundet wird oder fällt. Hinzu kommt das Selber-Töten-Müssen." Er beklagte zudem Defizite bei der Versorgung. Vor allem fehlten Therapeuten. Im Frühjahr waren dem Bericht zufolge von 42 psychiatrischen Dienstposten in der Truppe lediglich 24 besetzt.
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