Verbot aus Kolonialzeit aufgehoben: Indisches Gericht erlaubt Homosexualität
zuletzt aktualisiert: 02.07.2009 - 13:41Neu Delhi (RPO). In einem historischen Urteil hat die indische Justiz ein seit der britischen Kolonialzeit geltendes Verbot von Homosexualität aufgehoben. Das Hohe Gericht in Neu Delhi legalisierte am Donnerstag in einem Grundsatzurteil gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Erwachsenen.
Eine Bestimmung im indischen Strafrecht, die "widernatürlichen Geschlechtverkehr" untersagt, sei diskriminierend und verstoße deshalb gegen die Grundrechte.
Das Verbot gleichgeschlechtlicher Liebe verstoße gegen den Grundsatz der Gleichheit und die Würde jedes Individuums, erklärten die Richter in der 105-seitigen Urteilsbegründung.
"Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr" zwischen Schwulen und Lesben solle daher nicht mehr bestraft werden. Die Regierung, die gegen das Urteil Berufung noch einlegen kann, äußerte sich zunächst nicht. Justizminister Veerappa Moily sagte, er müsse es erst einmal gründlich lesen.
Bislang konnte Homosexualität in Indien mit einer Geldstrafe und bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. In der Praxis wurde das Gesetz zwar nur selten angewendet. Homosexuelle warfen der Polizei jedoch vor, den Paragrafen zu nutzen, um Schwule zu schikanieren und einzuschüchtern.
Von Schwulen und Lesben in Indien wurde die Gerichtsentscheidung begeistert aufgenommen. Die Regierung könne das Urteil nicht übergehen, sagte der Chef der Lesben- und Schwulenorganisationen Naz Foundation, Anjali Gopalan.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete das Urteil als überfällig. Der Aktivist Gautam Bhan erklärte, die Richter hätten mit dem Urteil die Vision einer "offenen, toleranten Gesellschaft" in Indien entworfen. Die Bollywood-Schauspielerin Celina Jaitley sagte, sie sei "überwältigt".
Religiöse Gruppierungen kritisierten das Urteil dagegen scharf. Der Imam der größten Moschee in Indien, Ahmed Bukhari, bezeichnete das Urteil als "völlig falsch". "Wir werden ein solches Gesetz nicht akzeptieren", sagte der Vorbeter der Jama Masjid in Neu Delhi. Der Sprecher des katholischen Bischofskonferenz in Indien, Babu Joseph, sagte, das Urteil ändere nichts an der Einstellung der Kirche zu Homosexuellen. Homosexualität sei kein "akzeptabeles Verhalten".
Gleichgeschlechtliche Liebe war im traditionell konservativen Indien lange tabu, viele Inder betrachten Homosexualität als Krankheit. In den vergangenen Jahren drängten Schwule und Lesben jedoch zunehmend in die Öffentlichkeit und organisierten Paraden in Metropolen wie Mumbai und Neu Delhi.
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