| 17.42 Uhr

Todesstrafe in Indonesien
Exekution verurteilter Drogenhändlern trotz internationaler Proteste

Indonesien: Hinrichtung von acht Ausländern steht kurz bevor
Todeskandidaten: Die philippinerin Mary Jane Veloso und die australischen Drogenhändler Myuran Sukumaran und Andrew Chan. FOTO: dpa, ms cul
Jakarta. Trotz internationaler Gnadeappelle sollen am Mittwoch neun wegen Drogenhandels zum Tode verurteilte Gefangene in Indonesien hingerichtet werden. Die Exekutionen erfolgte am Dienstagabend nach mitteleuropäischer Zeit.

Update: Die Drogenhändler sind am Mittwochmorgen (Ortszeit) hingerichtet worden. Lesen Sie hier die aktuelle Meldung zu der Hinrichtung.

Unter den Todeskandidaten sind acht Ausländer aus Australien, Brasilien, Nigeria, Ghana und den Philippinen. Besonders Australien setzt sich seit Monaten vehement gegen die Vollstreckung der Todesstrafe ein. Die Häftlinge warten im Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Nusakambangan auf die Exekution durch ein Erschießungskommando, nachdem sämtliche Berufungsanträge und Gnadenappelle negativ beschieden worden waren.

Auch Australien hat die Todesurteile gegen die beiden australischen Drogenhändler Myuran Sukumaran und Andrew Chan scharf kritisiert. Die Hinrichtung des Franzosen Serge Atlaoui wurde nach Protesten der französischen Regierung zunächst zurückgestellt.

Sukumaran und Chan sind die Anführer der Drogenbande "Bali Nine", die wegen Heroinschmuggels nach Indonesien zum Tode verurteilt wurden. Die Angehörigen der beiden Australier nahmen am Dienstag bei einem letzten Besuch von den Männer Abschied. Sukumarans Mutter Raji flehte unter Tränen den indonesischen Präsidenten Joko Widodo an, ihren Sohn zu verschonen. "Sagen Sie die Hinrichtung ab. Bitte nehmen Sie mir nicht meinen Sohn."

Die anderen Todeskandidaten hatten sich bereits am Wochenende von ihren Angehörigen verabschiedet. Chan wurde am Montag sein letzter Wunsch gewährt: Er heiratete im Gefängnis seine indonesische Lebensgefährtin. Am Dienstag wurden Särge ins Gefängnis von Nusakambangan gebracht - einer Insel im Süden von Java. In australischen Medien kursierten Fotos von Kreuzen für die Särge, auf denen Mittwoch als Todesdatum steht.

Indonesien zählt zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen weltweit. Erst im Januar waren unter internationalem Protest sechs Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet worden, darunter fünf Ausländer. Trotz Appellen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und anderen Politikern hält Präsident Widodo an den Hinrichtungen fest, die seiner Darstellung nach notwendig sind, um einen nationalen Notstand wegen des steigenden Drogenkonsums zu bekämpfen.

Australiens Außenministerin Julie Bishop kritisierte am Dienstag den "chaotischen Umgang" mit den Fällen der Todeskandidaten. Zuvor hatten Australien, Frankreich und die Europäische Union in einem gemeinsamen Appell den Stopp der Hinrichtungen gefordert und vor den Auswirkungen auf Indonesiens Ansehen in der Welt gewarnt. In Sydney versammelten sich am Abend 300 Unterstützer der verurteilten Drogenhändler zu einer Kundgebung.

(AFP)
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