Ein Entführungsfall erschüttert Österreich: Inzest-Verdächtiger war "netter" Nachbar
zuletzt aktualisiert: 27.04.2008 - 21:36Düsseldorf (RPO). Die Bewohner des österreichischen Ortes Amstetten sind schockiert: 24 Jahre lang hielt ein Mann seine Tochter im Keller gefangen, missbrauchte sie mehrfach und zeugte sieben Kinder mit ihr. Doch von all dem bekamen die Nachbarn nichts mit.
Als "unauffällig" beschreiben die Anwohner den 73-jährigen Josef F., den mutmaßlichen Vergewaltiger, der seine heute 42-jährige Tochter Elisabeth ins Kellerverlies sperrte. "Freundlich gegrüßt" habe er stets - daran erinnern sich die Leute offenbar, wie der österreichische Nachrichtensender ORF berichtet.
Gerade in dieser Zurückhaltung, in der sich F. stets übte, könne der Quell für seine Greueltat sein. Dieser Ansicht ist der Psychologen Cornel Binder-Krieglstein. Er hebt im Interview mit dem ORF hervor, dass der Täter Macht über sein Opfer ausübe, indem er es im Keller gefangen hielt.
F. sei nicht selbstbewusst. Daher gehe er mit seiner Bedürfnisbefriedigung nicht nach draußen, sondern suche sie im unmittelbaren Kreis, in der Familie, sagt Binder-Krieglstein dem Nachrichtensender. Und in seiner Tochter Elisabeth habe er ein schwächeres Opfer gefunden.
Eine Frau sagte gegenüber den ORF-Reportern, F. des Öfteren gemeinsam mit ihren Enkelkindern gesehen zu haben. Nicht auszuschließen ist jetzt aber, dass es nicht nur die seine Enkelkinder, sondern zugleich seine Kinder waren, mit denen F.s Frau die Straßen hinunterflanierte.
Es ist eine grausige Vorstellung, die die Leute erschüttert - eine Vorstellung, die ihnen unentwegt Schauer über den Rücken jagt: "Furchtbar, furchtbar. Ich kann da nichts mehr zu sagen", zitiert das ORF eine anonym bleibende Frau.
"Das darf ja nicht wahr sein. Das gibt es normal nicht. Das waren immer nette Leute, das kann man sich nicht vorstellen", sagt ein Mann, der ganz in der Nähe von F.s Haus wohnte. Das Verbrechen scheint die Vorstellungskraft vieler Leute zu sprengen. Sie halten es nicht für möglich, was F. seiner Tochter angetan hat. Was die Sache noch schlimmer macht: Es ist genau in ihrer Siedlung passiert, nicht irgendwo, kilometerweit weg. Das Verbrechen geschah vor ihrer Haustür.
Die Leute beginnen auch, sich an Fetzen zu erinnern, die sich jetzt in ein grausames Ganzes fügen. Etwa sagt eine Frau im österreichischen Fernsehen, sie habe von einer Bekannten gehört, dass die 42-Jährige Elisabeth bei einer Sekte sei. Gehört habe sie es - Bestätigung bekam sie nie.
Heute ist klar, dass Elisabeth keiner Sekte beigetreten ist. Stattdessen wurde sie im Keller gefangen gehalten. In dem Keller eines Mannes, der immer "freundlich gegrüßt" hat.
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