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Flüchtlinge
IOM: 2015 schon mehr als 1750 Opfer im Mittelmeer

Flüchtlinge: IOM: 2015 schon mehr als 1750 Opfer im Mittelmeer
Die Aufnahme vom 12.04.2015 zeigt Flüchtlinge, die mit ihrem Boot in unmittelbarer Nähe des Frachtschiffes "OOC Jaguar" auf dem Mittelmeer gekentert sind. FOTO: dpa, dan lre
Genf . Während Australien den europäischen Staaten Hilfe im Umgang mit Flüchtlingsbooten anbietet, sind seit Beginn des Jahres nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) schon 30 Mal mehr Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken als im Vorjahreszeitraum. Bislang sind 2015 mehr als 1750 Flüchtlinge ums Leben gekommen.

Das sagte IOM-Sprecher Joel Millman am Dienstag vor Journalisten in Genf. Vor einem Jahr habe es zu diesem Zeitpunkt 56 Opfer gegeben. Allein am Sonntag hatten bei einer der bisher schlimmsten Tragödien vor der libyschen Küste nach UN-Angaben etwa 800 Menschen ihr Leben verloren. Sie waren auf einem nur 20 Meter langen Fischerboot, das umkippte, als sich nach einem Notruf ein Handelsschiff näherte. 28 Menschen überlebten, darunter der Kapitän aus Tunesien und ein Seemann aus Syrien, die am Dienstag von der italienischen Polizei unter Mordverdacht festgenommen wurden.

Die EU-Außen- und Innenminister hatten am Montag einen Zehn-Punkte-Plan der EU-Kommission auf den Weg gebracht, der eine Ausweitung der Seenotrettung sowie einen stärkeren Kampf gegen Schlepperbanden vorsieht. Über den Plan werden die EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag auf einem Sondergipfel beraten.

Australien als Ratgeber

Der australische Regierungschef Tony Abbott hat Europa unterdessen zu einem stärkeren Grenzschutz geraten. Zugleich bot der Ministerpräsident Europa seine Expertise beim "Stoppen der Boote" an, wie er dem Sender ABC am Dienstag sagte. "Der einzige Weg das Sterben zu beenden, ist ein Stopp des Menschenschmuggels. Der einzige Weg, wie man das Sterben beenden kann, besteht tatsächlich darin, die Schiffe zu stoppen", zitierte ABC den Regierungschef.

In dem gleichen Bericht wurde auch die australische Außenministerin Julie Bishop mit der Aussage zitiert, die Regierung würde sich freuen, wenn sie ihre Gesetze und Richtlinie für den Umgang mit den Flüchtlingen mit den europäischen Staaten diskutieren würden. Zwar habe man den Zustrom von Menschen über die Schmuggelrouten gestoppt, doch müsse man weiter wachsam sein, sagte sie.

Australiens strikter Kurs gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden war ein Wahlversprechen der konservativen Regierung von Ministerpräsident Tony Abbott. Menschenrechtsgruppen üben deutliche Kritik an der Flüchtlingspolitik Canberras.

Zahlen und Fakten

- 219.000 Menschen flohen laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35.000.

- 3500 Menschen kamen 2014 bei ihrer Flucht ums Leben oder werden vermisst

- 170.100 Flüchtlinge erreichten 2014 über das Meer Italien (Januar bis März 2015: mehr als 10.100); weitere 43.500 kamen nach Griechenland, 3500 nach Spanien, 570 nach Malta und 340 nach Zypern.

- 66.700 Syrer registrierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2014 bei einem illegalen Grenzübertritt auf dem Seeweg, 34.300 Menschen kamen aus Eritrea, 12.700 aus Afghanistan und 9800 aus Mali.

- 191.000 Flüchtlinge stellten 2014 in der EU einen Asylantrag (dabei wird nicht unterschieden, auf welchem Weg die Flüchtlinge nach Europa kamen). Das sind EU-weit 1,2 Asylbewerber pro tausend Einwohner.

- 123.000 Syrer beantragten 2014 in der EU Asyl (2013: 50.000).

- 202.700 Asylbewerber wurden 2014 in Deutschland registriert (32 Prozent aller Bewerber), 81.200 in Schweden (13 Prozent) 64.600 in Italien (10 Prozent), 62.800 in Frankreich (10 Prozent) und 42.800 in Ungarn (7 Prozent).

- Um 143 Prozent stieg die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu 2013 in Italien, um 126 Prozent in Ungarn, um 60 Prozent in Deutschland und um 50 Prozent in Schweden.

- Mit 8,4 Bewerbern pro tausend Einwohner nahm Schweden 2014 im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Flüchtlinge auf. Es folgten Ungarn (4,3), Österreich (3,3), Malta (3,2), Dänemark (2,6) und Deutschland (2,5).

- 600.000 bis eine Million Menschen warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen.

(AFP)
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