| 19.01 Uhr

Sindschar-Region
Irakische Armee entdeckt jesidisches Massengrab

Mossul. Irakische Sicherheitskräfte haben ein neues Massengrab in der jesidischen Sindschar-Region entdeckt. Bei den 73 Leichen handele es sich um Jesiden, die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hingerichtet worden sein sollen.

Das erklärte ein Behördenvertreter der Region. Das Gemeinschaftsgrab mit den Leichen von Männern, Frauen und Kindern befand sich in dem kleinen Ort Rambussi, rund 80 Kilometer östlich von Mossul.

Seit 2015 wurden in verschiedenen Bereichen der Jesidenregion 37 Massengräber gefunden, wie der für die Region Sindschar verantwortliche Vertreter, Mahma Khalil, der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. "Alle Opfer sind Jesiden", fügte er hinzu. Die IS-Miliz hatte im Nordirak 2014 einige ihrer schlimmsten Gräueltaten verübt.

3000 Jesidinnen in IS-Gefangenschaft vermutet

Sowohl der irakischen Zentralregierung als auch der kurdischen Regionalregierung warf Khalil vor, bei der Unterstützung der Familien und Opfer versagt zu haben. Die IS-Kämpfer hatten tausende Jesiden in Sindschar getötet, tausende Frauen und Jugendliche wurden als Sexsklaven verkauft.

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen (UN) befinden sich derzeit immer noch rund 3000 Jesidinnen in Gefangenschaft der Islamisten. Ursprünglich lebten im Irak rund 600.000 Anhänger der Religionsgemeinschaft. Durch die Einnahme ihrer Hochburg in Sindschar wurden zehntausende von ihnen zur Flucht gezwungen.

2015 hatten kurdische Truppen die vom IS kontrollierte, gleichnamige Stadt zurückerobert und den IS aus der Region vertrieben. Im vergangenen Monat übernahmen irakische Regierungstruppen wieder die Kontrolle über das Gebiet.

Die Jesiden gehören einer religiösen Minderheit an und glauben an einen einzigen Gott. Im Zentrum ihres Glaubens steht der Engel Melek Taus, der auch Engel Pfau genannt wird. Weil Islamisten in dem Engel eine Dämonenfigur sehen, halten sie die Jesiden für "Teufelsanbeter".

(AFP/heif)
 
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