| 18.40 Uhr

Terror in Nahost
IS bekennt sich erstmals zu schwerem Anschlag in Afghanistan

IS bekennt sich zum ersten Mal zu tödlichem Anschlag in Afghanistan
Afghanische Sicherheitskräfte am Ort des Anschlags. FOTO: ap
Kabul. Terror gehört zum Alltag in Afghanistan. Vor einer Bank standen Soldaten und Zivilisten Schlange, um ihre Löhne abzuheben. Ein Selbstmordattentäter zündete unter ihnen eine Bombe - mit verheerender Wirkung.

Bei einem Selbstmordanschlag der Terrormiliz Islamischer Staat vor einer Bank in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Dschalalabad sind am Samstag mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen. Der Angriff galt einer Menschenmenge, die vor dem Gebäude auf ihre Lohnauszahlung gewartet hatte. Nach amtlichen Angaben wurden 125 Menschen verletzt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani teilte mit, der IS habe sich zu der Tat bekannt. Ghani sagte in Faisabad, nicht die Taliban hätten die Verantwortung für den "schrecklichen Anschlag in Nangarhar" übernommen. "Daesh übernahm die Verantwortung dafür." Daesh ist die arabische Ankürzung für den Islamischen Staat.

Ein Sprecher des Gouverneurs de Provinz Nangarhar, Ahmad Sia Abdulsai, sagte, der Selbstmordattentäter sei mit einem Motorrad zu der Menge vor der Bankfiliale gefahren, unter der sowohl Zivilisten als auch Soldaten gewesen seien. Dann habe er seine Bombe gezündet.

Attentäter auf dem Motorrad

Die Bank befindet sich im Zentrum des Viertels mit vielen Banken und Behörden, sagte Abdulsai. Mehrere umliegende Gebäude seien beschädigt worden, Fensterscheiben seien zu Bruch gegangen.

Ein Soldat, der bei dem Anschlag verwundet wurde, sagte, ein Mann auf einem Motorrad sei heran gefahren, habe sich unter die Menge gemischt und seinen Sprengsatz gezündet. "Ich habe zwei Explosionen gehört und kann mich danach an nichts mehr erinnern", sagte Schir Akha weiter.

Bei einem Schrein in der Stadt ging dem Gouverneurssprecher zufolge ein weiterer Sprengsatz hoch. Dabei sei niemand verletzt worden. Bei einer dritten Explosion, die in Dschalalabad gehört wurde, habe es sich um eine kontrollierte Sprengung der afghanischen Truppen gehandelt.

Bei einem weiteren Anschlag im Bezirk Behsud sei ein Zivilist getötet worden, sagte der Gouverneurssprecher weiter. Zwei Menschen seien verletzt worden.

Kritik aus Pakistan

Die pakistanische Regierung, die mit Afghanistan Antiterroreinsätze koordiniert, verurteilte sie Anschläge. Sie seien feige und rücksichtslos, erklärte das pakistanische Außenministerium. Für Angriffe auf Zivilisten gebe es unter keinen Umständen eine Rechtfertigung. Die afghanische Provinz Nangarhar grenzt an Pakistan.

Ghani hatte bei einem Besuch in den USA im März seine Sorgen bekräftigt, dass der Islamische Staat nach Afghanistan vordringe. Die Terrormiliz kontrolliert aktuell jeweils rund ein Drittel des Iraks und Syriens. "Wenn wir nicht vereint auf der gleichen Linie stehen, werden uns diese Leute zerstören", sagte Ghani am Samstag vor 600 Menschen am Hauptsitz der Provinzregierung in Faisabad.

(ap, dpa)
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