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Ägypter Mohammed Helmy
Israel ehrt erstmals Araber als "Gerechten unter den Völkern"

Israel ehrt Ägypter Mohammed Helmy als "Gerechten unter den Völkern"
Nasser Kotby neben einem Foto seines Onkels Mohamed Helmy. FOTO: afp
Berlin. Mohamed Helmy versteckte während des Zweiten Weltkriegs in Berlin mehrere Juden. 70 Jahre später ist er dafür von Israel als "Gerechter unter den Völkern" geehrt worden. Damit wurde der Ehrentitel erstmals an einen Araber verliehen.

Am Donnerstag überreichte Israels Botschafter Jeremy Issacharoff im Auswärtigen Amt in Berlin die Yad Vashem-Medaille sowie eine Ehrenurkunde an den Helmys Neffen, Nasser Kotby, der aus Kairo angereist war. Auch Angehörigen der geretteten jüdischen Familie kamen aus New York zu der Feierstunde.

Mohammed Helmy hatte während des Zweiten Weltkriegs sein Leben riskiert, um eine vierköpfige jüdische Familie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu retten. Er war deshalb schon vor vier Jahren als "Gerechter unter den Völkern" anerkannt worden. Allerdings konnten die nächsten Verwandten des Ägypters, der 1982 kinderlos in Berlin starb, zunächst nicht ausfindig gemacht werden. Erst die Bemühungen der israelischen Regisseurin Taliya Finkel, die die Geschichte in diesem Jahr verfilmt hat, ermöglichten den Kontakt zu Helmys direkten Nachfahren.

Israels höchste Auszeichnungfür Nicht-Juden

Der ägyptische Arzt habe die Juden "als Menschen wahrgenommen" und "es als seine Pflicht empfunden, aufzustehen und zu handeln", sagte Irena Steinfeldt, die die Abteilung für "Gerechte unter den Völkern" in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem leitet. "Helmys Menschlichkeit zeigt, dass jeder Mensch (...) etwas bewirken kann".

Die Familie Helmys hatte die bereits 2013 ausgesprochene posthume Ehrung zunächst abgelehnt, weil es sich um eine israelische Ehrung handele. Die von der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vergebene Ehrung als "Gerechter unter den Völkern" ist die höchste Auszeichnung des Landes für Nicht-Juden.

Helmy war 1922 zum Medizinstudium nach Berlin gekommen und hatte anschließend als Urologe am Robert-Koch-Institut gearbeitet. Als Nicht-Arier angesehen, unterlag Helmy dem Berufsverbot und wurde selbst zwischenzeitlich von den Nationalsozialisten festgenommen.

Laut einer Erklärung der israelischen Botschaft zählt es zu den wichtigsten Aufgaben von Yad Vashem, "Nichtjuden, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Juden zu retten, die Dankbarkeit des Staates Israel und des jüdischen Volkes zu übermitteln". Bisher wurden über 26.500 Männer und Frauen mit dem Ehrentitel ausgezeichnet, darunter rund 70 Muslime. Ein Araber war bislang aber noch nicht ausgezeichnet worden.

(wer/AFP/KNA)
 
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