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Türkei
Istanbul verbietet jährliche Schwulenparade

Istanbuler Gouverneur verbietet jährliche Schwulenparade
Im Jahr 2014 fand der CSD in Istanbul noch statt FOTO: dpa, sdt b cul
Istanbul . Seit mehr als einem Jahrzehnt gehen Lesben und Schwule Ende Juni in Istanbul auf die Straße. Im vergangenen Jahr setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen die friedlichen Demonstranten ein. Nun hat der Gouverneur die Parade untersagt.

Der traditionelle "Marsch des Stolzes" Ende Juni auf der Einkaufsmeile Istiklal Caddesi werde nicht genehmigt, teilte das Amt des Gouverneurs mit. Zur Begründung führte die Behörde die Sicherheit von Teilnehmern und Bürgern sowie den Schutz der öffentlichen Ordnung an. Das Verbot bedeutet für Teilnehmer, dass sie festgenommen werden könnten. Die Stadtverwaltung rief die Bürger dazu auf, Aufrufen zur Teilnahme an der Parade nicht zu folgen.

Die Veranstalter kündigten rechtliche Schritte an und kritisierten, das Verbot verstoße gegen die Verfassung. Die Zeitung "Evrensel" zitierte Aktivisten, die trotz des Verbots demonstrieren wollten. Erwartet wurde, dass Teilnehmer des Marsches auch an das Massaker von Orlando im US-Bundesstaat Florida erinnern wollten, wo ein Schütze in einem Schwulenclub 49 Menschen getötet hatte.

Die Parade zum Abschluss der Istanbuler "Pride Week" findet seit mehr als zehn Jahren statt und wurde vergangenes Jahr erstmals verboten. Damals verwies der Gouverneur auf den für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan. Dennoch gingen Tausende auf die Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die friedlichen Demonstranten ein. Auch dieses Jahr fällt der Termin in den Ramadan.

Drohung von Nationalisten

Vor der geplanten nächsten Gay Pride hatte die ultranationalistische Jugendbewegung Alperen Hearths gedroht, die Veranstaltung zu verhindern. "Wir wollen nicht, dass halb nackte Menschen mit Alkoholflaschen in den Händen durch unsere heilige Stadt laufen", sagte ihr Vorsitzender Kursat Mican der Zeitung "Hürriyet" vom Donnerstag. Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten, allerdings klagen Schwule und Lesben in dem muslimisch dominierten Land häufig über Übergriffe.

Im Zentrum Istanbuls ist es seit Jahresbeginn außerdem zu insgesamt drei schweren Anschlägen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und einer militanten kurdischen Gruppe gekommen. Einer der IS-Selbstmordanschläge fand auf der Istiklal Caddesi statt, auf der auch der diesjährige Marsch wieder geplant ist.

Weltweit erinnern Paraden zum Christopher Street Day an einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Trans-Menschen am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street. Der Istanbuler "Marsch des Stolzes" findet traditionell am letzten Sonntag im Juni statt.

(crwo/dpa)
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