Schwere Zerstörungen befürchtet: Jahrhundertsturm trifft auf australische Küste
zuletzt aktualisiert: 02.02.2011 - 16:05Cairns (RPO). Mit gewaltiger Zerstörungskraft ist der Zyklon "Yasi" am Mittwoch auf die Nordwestküste Australiens getroffen. Der Wirbelsturm deckte Dächer ab, entwurzelte Bäume und ließ in zehntausenden Häusern den Strom ausfallen. Die Behörden rechneten mit erheblichen Schäden und möglicherweise sogar Todesfällen. Zuvor hatten sich Zehntausende Bewohner der Küste von Queensland in Sicherheit gebracht.
Das Wetteramt erklärte, das "riesige und zerstörerische Auge" des Sturms habe in der Nähe der Kleinstadt Mission Beach das australische Festland erreicht. Ausläufer mit heftigen Windböen wurden in vielen anderen Städten und Ortschaften registriert. "Yasi" sollte den Meteorologen zufolge Windgeschwindigkeiten bis 300 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh, sagte, ein derart starker Zyklon habe Queensland zuletzt 1918 heimgesucht.
"Es ist so ein gewaltiger Sturm, es ist ein Monster, ein Killer-Sturm", sagte sie. "Seine Auswirkungen sind wahrscheinlich lebensbedrohlicher als alles andere in den letzten Generationen da gewesene." Ministerpräsidentin Julia Gillard sagte, die Menschen hätten schlimme Stunden vor sich.
Die Sturmfront war über 500 Kilometer breit. Es wurde erwartet, dass die schlimmsten Windböen etwa vier Stunden anhalten würden. Die Meteorologen rechneten mit starkem Regen und heftiger Brandung. Die größte Gefahr durch "Yasi" bestand den Einschätzungen zufolge für einen 240 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen der Stadt Cairns und der Ortschaft Ingham. Auch Schäden am Great Barrier Reef wurden befürchtet. Die Region wurde 2006 vom Zyklon "Larry" verwüstet.
Unwetter in Australien
- Der größte bislang registrierte Wirbelsturm war der Zyklon "Tracy", der Weihnachten 1974 weite Teile der Stadt Darwin verwüstete und 71 Menschen in den Tod riss. Der Windmesser am Flughafen zeigte damals 217 Kilometer pro Stunde an, bevor das Instrument zerstört wurde. Meteorologen gehen davon aus, dass die Böen von "Yasi" bis zu 300 Kilometer in der Stunde schnell sind.
- Im Jahr 2006 wütete der Zyklon "Larry" in der Kleinstadt Innisfail in Queensland und war gemessen an der Schadenssumme der zweitschlimmste Sturm in der Geschichte in der Landes.
- Die bislang höchste Windgeschwindigkeit wurde 1996 bei dem Zyklon "Olivia" auf der Insel Barrow vor Westaustralien gemessen - 408 Kilometer pro Stunde.
"Jeder muss jetzt gehen"
Küstenbewohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Mehr als 10.000 Menschen suchten in 20 Notunterkünften Schutz. Die Polizei hatte am Mittwoch die Menschen in Cairns aufgefordert, die Straßen möglichst schnell zu verlassen. "Jeder muss jetzt gehen", sagte ein Polizist zu den Passanten. "Das Wasser kommt jetzt!"
Der Leiter des Katastrophenschutzes, Ian Stewart, forderte die Menschen auf, sich in Zimmer in der Mitte ihres Hauses zurückzuziehen, weil dort der Bau am stabilsten sei und es häufig keine Fenster gebe. Sie sollten sich mit Matratzen schützen und feste Schuhe und Regenmäntel mitbringen.
Anfang der Woche war Zyklon "Anthony" auf Queensland getroffen, hatte über Land aber rasch an Kraft verloren. "Yasi" sollte weiter nördlich vorbeiziehen und die Stadt Brisbane verschonen, die von den jüngsten Überschwemmungen besonders betroffen war.
Die Region hat seit November mit heftigen Regenfällen und Überschwemmungen zu kämpfen. 35 Menschen kamen bisher ums Leben, 30.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Die Regierung hat die entstandenen Kosten auf 5,6 Milliarden australische Dollar (4,1 Milliarden Euro) geschätzt.
Schutzräume überfüllt
Kurz bevor das Sturmtief "Yasi" am Mittwoch die Küste erreichte, waren die Schutzräume überfüllt. Allein in der Stadt Townsville wurden 4000 Soldaten in Alarmzustand versetzt, um der Bevölkerung auch mit Schiffen und Hubschraubern zu helfen. In der erwarteten Schneise des Sturmes wohnen etwa 400.000 Menschen. Neben Townsville sind auch die Städte Cairns und Mackay bedroht. "Yasi" hat etwa die Stärke des Hurrikans "Katrina", der im Jahr 2005 an der US-Golfküste wütete und Hunderte Menschen in den Tod riss.
In der betroffenen Region in Queensland befinden sich auch einige Kohlebergwerke und Zuckerplantagen. Die Bergbauunternehmen BHP Billiton und Peabody Energy schlossen vorsorglich mehrere Gruben. Auch auf die Zuckerpreise könnte sich "Yasi" auswirken. Fast alle Rohzuckerexporte Australiens kommen aus Queensland. Auch eine Kuperhütte wurde wegen des Sturms geschlossen.
Wir berichten laufend aktuell.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum