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Japans teure kleine Monster
Unzählige Maskottchen wachsen Behörden über den Kopf

Fotos: So verrückt sind japanische Maskottchen
Fotos: So verrückt sind japanische Maskottchen FOTO: Daniel Hecht
Tokio. Sie sind bunt und niedlich und sollen Regionen fördern, Spezialitäten unters Volk bringen oder für Initiativen der Behörden werben: Die in Japan überaus beliebten Maskottchen. Doch viele der unzähligen Puppen verschwenden nur öffentliche Gelder - allein in Osaka im Westen tummeln sich 92 verschiedene Kyarakuta oder lockere Figuren, wie sie in Japan genannt werden.

Die von Tieren, Obst, Gemüse oder Robotern inspirierten Plüschfiguren treten bei öffentlichen Veranstaltungen auf, werden tausendfach fotografiert und in vielerlei Form vermarktet. Nun hat das Finanzministerium die Notbremse gezogen, weil viele mehr kosten als sie einbringen - schließlich steckt in jedem Plüschkostüm ein Mensch, der bezahlt werden muss.

"Wir bezweifeln die Sachdienlichkeit so vieler Repräsentanten", sagt eine Behördenvertreterin von Osaka. Die Stadt leistet sich lebensgroße Figuren, um die Leute vom Steuernzahlen zu überzeugen, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu rühmen oder die Schönheit und Vorzüge der Provinz anzupreisen. Daher entschied die Stadtverwaltung, rund 20 Maskottchen zu streichen. Überlebt hat unter anderem das älteste Maskottchen der Stadt, die Vogelfigur Mozuyan.

In Rumoi vertreten acht Figuren 53.000 Einwohnern

Im abgelegenen Rumoi im nordjapanischen Hokkaido vertraten acht verschiedene Figuren die 53.000 Einwohner. Nun werden sie zu einer Riesen-Puppe zusammengeschmolzen: Ororon Robo Mebius wurde geboren, ein riesiges, roboterartiges Wesen, dessen Arme, Beine, Gesicht und Körper aus den Maskottchen der verschiedenen Viertel zusammengesetzt sind. "Wir haben beschlossen, unsere Kräfte zu bündeln, anstatt jeden individuell arbeiten zu lassen", erklärt ein Vertreter Rumois, Mayuko Miyaji.

Das Forschungsinstitut Yano schätzt den jährlichen Umsatz der Figuren allein in Japan auf umgerechnet rund 17 Milliarden Euro. Sogar Erwachsene jubeln manchen Figuren mit kindlicher Begeisterung und ohne Angst vor Spott zu. Auch Unternehmen schmücken sich damit. Zum Erfolgsmodell wurde der Bär Kumamon der touristisch wenig entwickelten Region Kumamoto im Südwesten. Weil die Macher so clever waren, den Unternehmen gratis die Rechte an Kumamoto zu überlassen, erobert der populäre Bär seither das ganze Land.

Kumamon ist überall: Auf Kuchen, Geschirr, Kleidung, Schreibwaren. Wie auch andere illustre Kyarakuta hat er einen eigenen Laden, wo unzählige Kumamon-Produkte angeboten werden.

Die meisten Figuren werden nicht berühmt

Doch die meisten Maskottchen schaffen es nie zu nationaler Berühmtheit, sondern belustigen oft nur einige Kinder bei öffentlichen Veranstaltungen. Dem stehen meist gewaltige Unterhaltskosten gegenüber, wie das Finanzministerium betont. So schlug ein Maskottchen für lediglich fünf Auftritte mit jährlich umgerechnet 7700 Euro zu Buche. Neben dem Animateur in den Kostümen muss auch das Logistikteam finanziert werden, das jeden Ausflug begleitet.

Um den Steuerzahler zu schonen, startete die Stadt Otsu in Zentraljapan sogar eine Internetkampagne, um Spenden für seinen Star Otsu Hikaru-kun zusammenzubringen. Nicht immer sind es die offiziellen Charaktere, die die meisten Sympathien bringen. Bei einem Wettbewerb inoffizieller Maskottchen im Internet brachte es der niedliche Hampelmann Funassyi aus Funabashi bei Tokio zu internationalem Ruhm.Seiner Heimatstadt kommt er günstig, weil sie ihn nicht als offizielles Maskottchen anerkennt.

Doch damit tut sie dem undisziplinierten Sympathieträger vielleicht Unrecht, denn Funassyi ist wohl der einzige, der jenseits der japanischen Grenzen massenweise Fans gefunden hat.

(AFP)
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