| 22.07 Uhr

Der Tag im Überblick
Japanische Regierung verbietet Gemüseverkauf

Japan: Der zehnte Tag nach der Katastrophe
Japan: Der zehnte Tag nach der Katastrophe FOTO: AP
Düsseldorf (RPO). Der verzweifelte Kampf gegen die Atomkatastrophe im japanischen Kraftwerk Fukushima-Daiichi geht weiter. Wegen der Störfälle in Fukushima sind in Lebensmitteln der Region erstmals eine deutliche radioaktive Belastung festgestellt worden. An den Reaktoren selbst zeigt sich indessen eine verhaltene Stabilisierung der Lage. Das Protokoll des Tages.

+++ 20.43 Uhr: Die Strahlenwerte auf dem Kraftwerkgelände sind leicht rückläufig, aber noch deutlich erhöht. Der letzte offizielle Messwert am Hauptgebäude, also 500 Meter entfernt von Reaktor 2, liegt bei 2,62 Millisievert pro Stunde. Hier waren bereits Werte über 4 Millisievert gemessen worden. Ein Fortschritt - aber diese Werte bedeuten, dass sich Techniker dort nur sehr kurz aufhalten dürfen.      

+++ 20.25 Uhr: Auch japanische Medien haben keinen genauen Stand über die Situation in den kritischen Reaktorblöcken. Die Japan Times berichtet, dass die Kühlung durch Wasser zwar erfolgreich gewesen sei, aber man immer noch nicht wisse, wie viel Radioaktivität noch entweichen werde.  

+++ 19.45 Uhr: Die Situation in den Abklingbehältern für radioaktive Abfälle bei den sechs Reaktoren von Fukushima scheint sich positiv zu entwickeln. In allen sechs Behältern sei die Temperatur stabil unter 100 Grad, berichtet die Regierung.

+++ 18.30 Uhr: Die japanische Regierung empfiehlt der Bevölkerung eines Dorfs in der Präfektur Fukushima, kein Leitungswasser zu trinken. Im Dorf Iitate 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima seien die Werte radioaktiven Jods dreimal so hoch wie normal, teilte der Sprecher des japanischen Gesundheitsministeriums mit. Die Werte stellten jedoch keine Gefahr für den Menschen dar. 

+++ 18.03 Uhr: Nach der Atomkatastrophe in Japan werden in den USA die Standorte für neue Kernkraftwerke überprüft. Mit Sicherheit würden die Bauorte zukünftiger AKW andere sein, "als wo wir sie früher gebaut hätten", sagte Energieminister Steven Chu dem Sender Fox News am Sonntag. Zudem müsse geprüft werden, ob bestehende Kernkraftwerke wie Indian Point im Bundesstaat New York weiter betrieben werden sollten. Die Entscheidung darüber liege bei der Atomaufsicht NRC. Von einem Unglück in Indian Point wären 20 Millionen Menschen in einem Umkreis von 80 Kilometern betroffen, darunter acht Millionen in der Stadt New York.

+++ 17.38 Uhr: Japans Ministerpräsident Naoto Kan will am Montag den vom Erdbeben und Tsunami verwüsteten Nordosten des Landes besuchen. Per Hubschrauber werde Kan sich zunächst in die schwer getroffene Stadt Ishinomaki in der Präfektur Miyagi begeben, teilte die Regierung am Sonntag in Tokio mit. Anschließend will der Ministerpräsident in etwa 20 Kilometern Entfernung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 Einsatzkräfte treffen, die seit Tagen versuchen, eine nukleare Katastrophe zu verhindern.

+++ 17.13 Uhr: Der japanische Autohersteller Nissan will in der kommenden Woche den Betrieb in Japan wieder anlaufen lassen. Die Herstellung von Ersatzteilen und von Teilen für die Fertigung im Ausland werde am Montag in fünf Fabriken wiederaufgenommen, teilte das Unternehmen mit. Die Fahrzeugproduktion soll Donnerstag beginnen. Nissan fertigt 22 Prozent seiner Fahrzeuge in Japan. Die US-Bank Goldman Sachs hatte errechnet, dass der Produktionsstopp Nissan jede Tag umgerechnet etwa 17,5 Millionen Euro kostet.

+++16.28 Uhr: Nun sind offensichtlich mehr Agrarprodukte in Japan radioaktiv verseucht als bisher bekannt. Das Gesundheitsministerium in Tokio teilte mit, Tests hätten ergeben, dass die Strahlenbelastung aus dem verunglückten Atomkomplex von Fukushima vermutlich weiter reiche als angenommen. Der Sprecher des Ministeriums, Yoshifumi Kaji, sagte, Messungen bei Raps hätten "bedeutende Dosen an Strahlung" ergeben. Die Proben stammten aus Regionen, die bislang mit erhöhter Radioaktivität nicht in Zusammenhang gebracht worden seien.

+++ 15.52 Uhr: Als Reaktion auf eine Bitte Japans um technische Hilfe wird am Montag eine Hilfsaktion der deutschen Kernkraftwerksbetreiber und der deutschen Nuklearindustrie anlaufen. Bereits am Montag, dem 21. März 2011, werden ab Frankfurt die ersten 20 Paletten mit nachgefragten Hilfsgütern nach Japan geflogen.

+++ 15.49 Uhr: Die zurückgewonnene Kontrolle über die beiden Abklingbecken in den Blöcken 5 und 6 bedeute nach Angaben Tepcos einen kleinen Erfolg im Kampf um die Verhinderung einer Kernschmelze in dem Atomkomplex im Nordosten Japans, hieß es.

+++ 14.58 Uhr: Verantwortliche des Atomkomplexes Fukushima haben bekannt gegeben, dass in zwei von sechs Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente in dem Kernkraftwerk die Lage wieder unter Kontrolle sei. Die Temperatur in den Becken sei in einen normalen Bereich abgekühlt. In den anderen Blöcken wird an der Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken weiter mit Hochdruck gearbeitet.

+++ 14.43 Uhr: Die Lage im Atomkomplex von Fukushima scheint sich stabilisiert zu haben. Nach einem unerwarteten Druckanstieg im Innern eines Reaktors des Kernkraftwerks gaben sich Experten vorsichtig optimistisch. Der Plan, radioaktives Gas abzulassen, um den Druck im betroffenen Block 3 zu senken, konnte fallen gelassen werden, erklärte die Betreiberfirma Tepco. Dies hätte die Umgebung ansonsten zusätzlich verstrahlt. Die beschädigten Reaktoren und Abklingbecken werden weiterhin ununterbrochen mit Wasser aus Löschfahrzeugen besprüht, um eine Überhitzung zu verhindern.

+++ 14.41 Uhr: Die Preise für Jodsalz haben sich in den großen Städten Birmas in den vergangenen Tagen mehr als verdreifacht, nachdem im benachbarten China angesichts der Angst vor radioaktiver Strahlung Panikkäufe eingesetzt hatten. Das berichtete die birmanische Zeitung "True News Journal".

+++ 14.39 Uhr: Ein Katastrophenexperte an der Loyola Universität in New Orleans äußert seine Einschätzung der Bedeutung des Japan-Bebens: "Dieses Ereignis hat das Potenzial, die weltweit folgenreichste Naturkatastrophe der modernen Zeit zu sein. Und sie könnte, angesichts der Globalisierung, sogar die folgenreichste aller Zeiten sein", sagt Rob Verchick.

+++ 14.06 Uhr: Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium betroffene deutsche Unternehmen. Ziel sei es unter anderem, Lösungen bei Lieferengpässen zu finden, beispielsweise im Maschinenbau, bei den Automobilzulieferern und in der Elektroindustrie, teilte das Ministerium mit. Aber auch die Sorge vor kontaminierten Waren und das weitere Engagement deutscher Firmen in Japan seien wichtige Themen.

+++ 13.14 Uhr: Der besonders bedrohte Reaktor 2 ist wieder mit dem Stromnetz verbunden worden. Nach Angaben des Betreiberunternehmens Tepco konnten die Kühlsysteme jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen werden. Ein Tepco-Sprecher sagte, nach dem Anschluss des Reaktors 2 an das Stromnetz müsse aus Sicherheitsgründen zunächst geprüft werden, inwiefern das Kühlsystem und andere Anlagen funktionsfähig seien. Wann die Tests abgeschlossen werden könnten, sei unklar.

+++ 12.40 Uhr: Nach offiziellen Angaben gab es Fortschritte bei dem Versuch, zumindest zwei der insgesamt sechs Reaktoren an die Stromversorgung anzuschließen, um die Kühlwasserpumpen wieder in Gang zu setzen. Regierungssprecher Yukio Edano berichtete, auch in den Reaktorblöcken 1 und 2 habe sich die Lage stabilisiert. Die Zahl der Arbeiter wurde auf 500 verstärkt.

+++ 12.32 Uhr: Die japanische Regierung hat angekündigt, die vom Tsunami am Freitag vor einer Woche beschädigten Kernkraftwerke dauerhaft vom Netz zu nehmen. Eine erneute Nutzung zur Energieerzeugung sei nicht mehr möglich, da das zur Kühlung in den vergangenen Tagen eingesetzte Meerwasser aufgrund seiner korrosiven Wirkung zu irreparablen Schäden an der gesamten Anlage geführt habe. "Es ist klar, dass die Anlage Fukushima-Daiichi in keiner Weise mehr wiederangefahren wird", erklärte Edano.

+++ 9.24 Uhr: Neun Tage nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan haben die Rettungskräfte zwei Menschen lebend bergen können. Eine 80 Jahre alte Frau und ein 16-Jähriger seien in der zerstörten Stadt Ishinomaki aus Trümmern gerettet worden, teilte die Polizei mit. Sie litten an Unterkühlung und seien mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Rettungskräfte hatten bereits beinahe jede Hoffnung aufgegeben, noch Überlebende finden zu können.

+++ 8.55 Uhr: Nach einem vorübergehenden Anstieg des Drucks in Reaktor 3 hat sich die Lage nach Angaben der Betreiberfirma wieder stabilisiert. Von Plänen, zur Druckentlastung etwas radioaktives Gas abzulassen, rückte das Unternehmen deshalb am Sonntag wieder ab. Dafür bestehe keine unmittelbare Notwendigkeit mehr, erklärte das Energieunternehmen Tepco. Der Druck sei zwar noch relativ hoch, habe sich aber stabilisiert.

+++ 8.43 Uhr: Die Regierung will nach eigenen Angaben Entscheidungen über mögliche Einschränkungen beim Verkauf und dem Verzehr von Farmprodukten spätestens am Montag treffen. Am Samstag waren erhöhte Werte in Spinat und Milch gemessen worden, die aus der Umgebung von Fukushima stammten.

+++ 7.53 Uhr: Die japanische Regierung spricht von Fortschritten im Kampf gegen einen Super-GAU am Reaktor 3 des Atomkraftwerkes Fukushima. 

+++ 7.34 Uhr: Die Zahl der Toten und Vermissten steigt weiter an. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurden inzwischen 8.133 Todesopfer gezählt und 12.272 Menschen als vermisst gemeldet. Die Rettungsteams bergen immer wieder Leichen aus den Trümmern. Zudem steigt die Zahl der Vermisstenmeldungen, weil immer mehr Überlebende nach dem ersten Schock die Polizei kontaktieren und Angehörige als verschollen melden.

+++ 6.12 Uhr: Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde dürfte Tokio am Sonntag weiterhin von der aus dem Atomkraftwerk Fukushima austretenden Radioaktivität weitgehend verschont bleiben. Für die Region um den Reaktor sagte sie gleichzeitig Nieselregen voraus.

+++ 4.38 Uhr: Den Technikern ist es gelungen, die Reaktoren 1 und 2 an ein Stromkabel anzuschließen. Im Laufe des Tages sollten sie wieder mit Elektrizität versorgt werden. Anschließend sollten die Reaktorblöcke 3 und 4 angeschlossen werden. Erst wenn der gesamte Komplex wieder ans Netz angeschlossen ist, entscheidet sich, ob die Wasserpumpen noch funktionsfähig sind und dazu benutzt werden können, die Brennstäbe zu kühlen.

+++ 3.46 Uhr: Die Armee hat am Sonntag damit begonnen, Reaktor 4 mit dem Einsatz von Hochdruck-Wasserschläuchen zu kühlen. Nach Angaben von Japans Atomsicherheitsbehörde hatte zuvor die Feuerwehr von Tokio mehr als 13 Stunden lang Reaktor 3 besprüht. Mit Hilfe von drei unbemannten Fahrzeugen seien 2000 Tonnen Wasser auf den Reaktor gegossen worden. Rund 50 Feuerwehrleute hätten zunächst die technischen Vorbereitungen getroffen, teilten Behördenvertreter und örtliche Medien mit. Auf diese Weise habe die radioaktive Strahlung für die Helfer so gering wie möglich gehalten werden sollen.

+++ 3.16 Uhr: Die Polizei rechnet allein in der Präfektur Miyagi mit mehr als 15.000 Toten durch das verheerende Erdbeben und den Tsunami, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet. Die bestätigte Zahl der Todesopfer wird derzeit mit knapp 7000 angegeben. 10.700 Menschen werden vermisst.

+++ 1.58 Uhr: Grund für Entwarnung gibt es nach Ansicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA keinesfalls. Sein Eindruck sei, dass Japan seine Anstrengungen zur Stabilisierung der Reaktoren und Überwindung der Krise verstärke, sagte der IAEA-Chef Yukiha Amano nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Japan. Er hoffe, dass Sicherheit und Stabilität schnellstmöglich wiederhergestellt würden. Es könne derzeit aber noch nicht gesagt werden, ob die Bemühungen fruchten oder nicht. Er habe die japanischen Behörden aufgefordert, der IAEA mehr und qualitativ bessere Informationen zu der Entwicklung zu übermitteln. Die japanische Regierung habe dies auch zugesagt.

+++ 1.51 Uhr: Die Temperaturen in den Reaktorblöcken 5 und 6 sind offenbar fast wieder auf normalem Niveau. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1.

(rtr/dapd/afp/rpo)
 
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