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Japans Männer haben keine Zeit für Sex
Mit 40 noch Jungfrau

Japans Männer haben keine Zeit für Sex
Der 41-jährige Sakai lernt Aktzeichnen bei "Virgin Academia", um den weiblichen Körper besser zu verstehen. FOTO: afp, yt/tbr/bb
Tokio. Immer mehr japanische Männer zwischen 30 und 40 hatten noch nie sexuellen Kontakt zu einer Frau. "Ich bewundere Frauen. Aber ich schaffe es einfach nicht", sagt einer von ihnen.

Takashi Sakai ist 41 Jahre alt, gesund und beruflich erfolgreich. Trotzdem hatte er noch nie eine Beziehung, geschweige denn Sex. Der Single mit dem charmanten Lächeln gehört zur wachsenden Zahl von Japanern mittleren Alters ohne sexuelle Erfahrungen. "Ich hatte noch nie eine Freundin. Es hat sich nie ergeben", sagt er. "Es ist nicht so, dass ich kein Interesse hätte. Ich bewundere Frauen. Aber ich schaffe es einfach nicht."

Sakai ist nicht allein. Nach einer Untersuchung des japanischen Forschungsinstitutes für Bevölkerung und soziale Sicherheit aus dem Jahr 2010 sind rund ein Viertel aller unverheirateten japanischen Männer zwischen 30 und 40 sexuell unberührt oder "yaramiso", wie sie in Japan heißen - das sind drei Prozentpunkte mehr als noch 1992.

Die Gründe werden wie für viele soziologische Phänomene in Japan in der Wirtschaft gesucht: Mit der Krise seit Anfang der 1990er Jahre wurde es für Männer immer schwieriger, sichere Vollzeitstellen zu finden. "Viele japanische Männer scheinen ihre sexuelles Selbstvertrauen mit der wirtschaftlichen Entmannung verloren zu haben", sagt die Heiratsmarkt-Expertin Yoko Itamoto. "In den vergangenen 20 Jahren war die Situation für sie sehr hart und wettbewerbsorientiert."

Generell scheinen die Menschen in Japan sexuell zurückhaltender zu leben als in anderen Industrieländern: In der Studie von 2010 gaben 68 Prozent der 18- bis 19-Jährigen in Japan an, Jungfrau zu sein. Bei 15- bis 20-jährigen Europäern ergab eine Studie des Kondomherstellers Durex im selben Jahr viel niedrigere Quoten: Bei jungen Deutschen waren es kaum 20 Prozent, die bis zu ihrem 20. Geburtstag noch keinen Sex hatten, sogar in der Türkei lag die Zahl bei nur 37 Prozent.

Shingo Sakatsume leitet die Non-Profit-Organisation "White Hands", die sich um Menschen mit sexuellen Blockaden, ursprünglich vor allem um Behinderte, kümmert. Die moderne japanische Gesellschaft sei widersprüchlich, sagt er. Zum einen sind freizügige Bilder allgegenwärtig - im Fernsehen, in Comics und auf der Straße. Doch ernsthafte Gespräche über das Thema gebe es kaum: "Im heutigen Japan lernt man nirgends etwas über Sexualität oder wie man eine romantische Beziehung aufbaut."

Mit "Virgin Academia" bietet Sakatsume Seminare über Partnersuche und konstruktive Beziehungsarbeit an. Früher hätten strenge Moralvorstellungen und soziale Traditionen diese Aufgaben geregelt. Doch heute sei es "Aufgabe jedes einzelnen, einen potenziellen Partner zu finden und über Sex zu verhandeln".

Der 41-jährige Sakai lernt Aktzeichnen bei "Virgin Academia", um den weiblichen Körper besser zu verstehen. "Ich staunte, als ich dies zum ersten Mal gemacht habe im Herbst letzten Jahres. Ihre Körper sind unglaublich schön", schwärmt er.

Über die seelischen Qualen eines Lebens ohne körperliche und emotionale Liebe berichtet ein 49-jähriger Architekt. Zwei Mal war er verliebt, zwei Mal wurde er zurückgewiesen: "Es war verheerend für mich", erzählt er. "Es schien mein Leben zu entwerten und nahm mir meinen Lebenssinn." Nun hat er Angst, für immer allein zu bleiben.

Auch Sakai weiß nicht, ob er jemals die berühmte Schwelle überschreitet. Seit seinem Kurs ist er zumindest nicht mehr so verzweifelt: "Es gibt keinen Grund, so pessimistisch zu sein", sagt er. "Letztlich stirbt man nicht daran, Jungfrau zu sein."

(AFP)
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