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Täter hinterlassen nationalistische Parolen
Brandanschlag auf deutsches Kloster in Israel

Aufräumen nach Feuer im deutschen Benediktinerkloster in Israel
Aufräumen nach Feuer im deutschen Benediktinerkloster in Israel FOTO: ap
Jerusalem. Auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha in Israel haben Unbekannte einen Brandanschlag verübt. Zwei Bewohner wurden verletzt in eine Klinik gebracht. Hinweise auf die Täter gibt eine auf einer Wand hinterlassene Parole.

Ein Trakt des erst 2012 eingeweihten Neubaus am See Genezareth brannte am frühen Donnerstagmorgen bis auf die Grundmauern ab. Ein 80-jähriger Mönch und eine 20-jährige Volontärin wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung in eine Klinik eingeliefert, wie ein Sprecher der Abtei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Aufgrund einer hinterlassenen Parole an einer Wand gehe man von einem Anschlag jüdisch-nationalistischer Täter aus.

Den Angaben zufolge wurden die Mönche kurz nach 3.00 Uhr morgens durch das Feuer geweckt. Die israelische Feuerwehr sei binnen einer halben Stunde mit zwei Löschzügen an dem entlegenen Ort am See Genezareth eingetroffen. Sie konnte jedoch nicht verhindern, dass die südlichen Teile der Klosteranlage mit Büro- und Arbeitsräumen, der Klosterpforte und einem überdachten Umgang abbrannten.

Abtei-Sprecher Nikodemus Schnabel sprach von einem "enormen Schaden" und einer "neuen Dimension" der Gewalt gegen christliche Einrichtungen. Videoaufnahmen zeigten auf einer Wand der Brandruine einen hebräischen Schriftzug mit der Forderung "Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden".

Bereits im Mai 2014 war die Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem, zu der Tabgha gehört, Ziel eines Brandanschlags geworden. Unmittelbar nach dem Besuch von Papst Franziskus auf dem Zionsberg legten Unbekannte mit Hilfe eines angezündeten Buchs Feuer im Chorraum. Der Brand wurde nur durch Zufall entdeckt, bevor er sich ausbreiten konnte. Im vergangenen Februar gab es einen Fall von Brandstiftung im griechisch-orthodoxen Seminar ebenfalls auf dem Zionsberg. Auch dort wurden auf den Außenmauern antichristliche Graffiti angebracht.

Der 4,8 Millionen Euro teure Neubau des Klosters Tabgha war im Mai 2012 nach fünf Jahren Bauzeit eingeweiht worden. Die Kosten trugen vor allem der Deutsche Verein vom Heiligen Land und das Erzbistum Köln. Deutsche Benediktiner unterhalten seit 1939 an diesem Ort eine Pilgerstätte, die an das biblische Wunder der Brotvermehrung erinnert.

Derzeit leben in Tabgha sechs Mönche. Dem Kloster angegliedert ist eine Begegnungsstätte für israelische und arabische Jugendliche. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit jungen Behinderten.

(KNA)
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