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Zehnter Jahrestag
Journalisten erinnern an Politkowskaja-Mord

Journalisten erinnern an Politkowskaja-Mord
Die ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja. FOTO: dpa
Moskau. Zehn Jahre nach dem Mord an der bekannten russischen Investigativjournalistin Anna Politkowskaja fordern frühere Kollegen die Fahndung nach den Drahtziehern.

"Die offiziellen Lügen, der Fall sei aufgeklärt, machen wütend", sagte der Chefredakteur der oppositionellen Moskauer Zeitung "Nowaja Gaseta", Dimitri Muratow, am Freitag. Die Kremlkritikerin Politkowskaja hatte für das Blatt über Verbrechen im Zweiten Tschetschenienkrieg berichtet.

In der "Nowaja Gaseta" wurden die Ermittler im Fall Politkowskaja scharf kritisiert. Sie hätten bei der Suche nach den Hintermännern der Ermordung versagt.

Drahtzieher des Mordes noch unbekannt

Nach Muratows Angaben hatte die Zeitung einen wichtigen Zeugen gefunden, dessen Aussagen 2014 schließlich zur Verurteilung des Täters und seiner Komplizen führte. Die Ermittlung zu den Drahtziehern sei aber im Sande verlaufen. Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 im Fahrstuhl ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden.

Muratow sagte der Nachrichtenagentur AP, seine Redaktion werde weiteren Hinweisen in dem Mordfall nachgehen. Er und seine Mitarbeiter seien aber nicht der Geheimdienst – die Regierung sei zuständig und müsse Zeugen befragen und Verdächtige überwachen.

Russland soll Verantwortliche stellen

US-Außenamtssprecher John Kirby erinnerte am Freitag an Politkowskajas "Mut und Ausdauer, Licht auf die Gräueltaten des Tschetschenienkonflikts" zu werfen. Die russische Regierung müsse die Verantwortlichen vor Gericht stellen, forderte er in einer Mitteilung. Die Journalistin sei aus Vergeltung für ihre Aufdeckung von Korruption und Missbrauch von Menschenrechten umgebracht worden.

Eine weitere Straffreiheit in solchen ungelösten Mordfällen untergrabe die Meinungsfreiheit und den Respekt für Justiz und Menschenrechte in Russland.

(bur/ap)
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