| 20.08 Uhr

Empörung über Schweizer Hotel
Juden werden mit Plakaten zum Duschen aufgefordert

Arosa. Mit speziell an jüdische Gäste gerichteten Aushängen hat ein Schweizer Apartmenthotel für Empörung gesorgt. Diese sollten duschen, bevor sie in den Swimmingpool gehen, steht auf Plakaten mit der Überschrift "An unsere jüdischen Gäste". Israel übt scharfe Kritik. 

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte am Dienstag die Schließung des Hauses in Arosa. Das Zentrum setzt sich gegen Rassismus und Antisemitismus ein. Der Tourismusverband in Arosa betonte, dass der Ort in Graubünden 150 Kilometer südöstlich von Zürich seit Jahren viele zufriedene jüdische Gäste habe. Der Kommunikationschef von Schweiz Tourismus, Markus Berger, sprach von einem sehr bedauerlichen Einzelfall.

Eine schockierte Familie aus Israel hatte in der Anlage ein Schild fotografiert, auf dem jüdische Gäste aufgefordert wurden, vor und nach dem Schwimmen im Pool zu duschen. Andernfalls werde ihnen der Zutritt verweigert. Die Familie hatte sich empört an Medien gewandt.

"Ein solches Plakat darf klar nicht publiziert werden", teilte die Pressesprecherin der Tourismusorganisation von Arosa, Yvonne Wüthrich, mit. "Arosa Tourismus wird mit der zuständigen Person im Apartmenthaus Paradies den Vorfall besprechen und aufarbeiten."

Hotelleitung bedauert Formulierung 

Zuständig für das Plakat war Ruth Thomann, die für Vermietung und Ordnung in dem Haus zuständig ist. Sie entschuldigte sich und sagte dem Portal "Jerusalem Post": "Ich habe nichts gegen Juden, normalerweise empfangen wir sie herzlich." Sie habe für das Schild wohl "die falschen Worte gewählt". Sie hätten sich an alle Gäste richten sollen und nicht nur an Juden. Sie bedauere die Formulierung auf dem Plakat. "Nachher ist man immer schlauer", sagte sie. Inzwischen hänge am Pool wie vorher nur die allgemeine Badeordnung, die alle Gäste zum Duschen auffordere. 

In einem weiteren Aushang am Gefrierschrank des Hotels hieß es, die jüdischen Nutzer dürften ihr koscheres Essen dort nur zu bestimmten Uhrzeiten einfrieren, um das Personal nicht ständig zu stören. In beiden in englischer Sprache verfassten Aushängen wurde um das Verständnis der jüdischen Gäste gebeten.

Israels Regierung verlangt offizielle Entschuldigung 

Von den vielen jüdischen Gästen im Haus sei niemand vorzeitig abgereist, sagte Thomann. Sie habe aber mehr als 300 teils hasserfüllte E-Mails erhalten.

Der Direktor für Internationale Beziehungen des Wiesenthal-Zentrums, Shimon Samuels, schrieb nach eigenen Angaben an die schweizerische Justizministerin Simonetta Sommaruga. Er verlangte eine Untersuchung und juristische Schritte gegen das Hotel und sein Personal.

In Israel berichteten die Medien ebenfalls ausführlich über den Fall. Die stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely sprach von einem "antisemitischen Akt übelster Art" und verlangte eine offizielle Entschuldigung.

Das Außenministerium in Bern erklärte, es habe dem israelischen Botschafter erneut versichert, dass die Schweiz Rassismus, Antisemitismus und jegliche Diskriminierung verurteile.

(beaw/dpa/AFP)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Juden werden in Schweizer Hotel mit Plakaten zum Duschen aufgefordert - Israel ist empört


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.