Zyklon-Katastrophe in Birma: Junta bewegt sich
zuletzt aktualisiert: 19.05.2008 - 15:37Rangun (RPO). Die birmanische Militär-Junta scheint auf den internationalen Druck zu reagieren und das Land vorsichtig zu öffnen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon darf das vom Zyklon "Nargis" verwüstete Irrawaddy-Delta besuchen. Das Gebiet war für Journalisten und Helfer aus dem Ausland bislang unzugänglich. Zudem will die Regierung eine Geberkonferenz organisieren.
Die Konferenz soll in Rangun stattfinden und die ausländische Hilfe für die Wirbelsturmopfer koordinieren. Der thailändische Außenminister Noppadon Pattama sagte am Montag in Singapur, sein birmanischer Kollege Nyan Win werde diesen Vorschlag im Laufe des Tages auf dem Außenministertreffen der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) unterbreiten.
Das Treffen in Rangun solle am 22. oder 23 Mai in Rangun stattfinden. Zudem solle Asean-Generalsekretär Surin Pitsuwan nach Birma reisen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen, sagte Thailands Außenminister der Nachrichtenagentur AFP.
Zudem das positive Signal für UN-Generalsekretär Ban. Ob der auch den birmanischen Staatschef Than Shwe treffen wird, blieb zunächst unklar. Der General, der sich am Sonntag erstmals selbst im Katastrophengebiet zeigte, hat sich bislang geweigert, mit Ban auch nur am Telefon zu sprechen oder auf Briefe zu antworten. Wie die UN weiter mitteilten, will Ban am Freitag auch noch einen Zwischenstopp im Nachbarland Thailand einlegen. Von dort aus koordinieren viele Hilfsorganisationen den Transport von Versorgungsgütern nach Birma.
Bereits am Montag durfte der UN-Koordinator für humanitäre Einsätze, John Holmes, ins Irrawaddy-Delta reisen. Er wollte anschließend in Rangun mit Vertretern von Hilfsorganisationen zusammentreffen. Holmes wollte sich in Gesprächen mit birmanischen Regierungsvertretern für einen freieren Zugang internationaler Helfer ins Katastrophengebiet einsetzen.
Dies wird seit der Katastrophe vor gut zwei Wochen immer wieder gefordert. Nach dem Durchzug des Sturms am 2. Mai hat Birmas Junta immer noch keine ausländischen Helfer in die am schwersten verwüsteten Gebiete gelassen. Im Gegensatz zu den meisten westlichen Staaten hielten sich die südostasiatischen Staaten bisher mit Kritik zurück. Der ASEAN gehören neben Birma und Thailand auch Malaysia, Indonesien, die Philippinen, Singapur, Brunei, Laos, Vietnam und Kambodscha an. Nach den Statuten muss jede Entscheidung im Konsens getroffen werden.
Chinesische Ärzte in Rangun eingetroffen
Ein Team von 50 chinesischen Ärzten traf am Sonntagabend in Rangun ein, um die Zyklon-Opfer medizinisch zu versorgen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Ärzte aus Indien und Thailand sind im Irrawaddy-Delta bereits im Einsatz. Sie bilden die Ausnahme zu den weiterhin strikten Beschränkungen der Junta für ausländische Helfer.
Das Ausmaß der Katastrophe ist immer noch unklar: Die birmanische Regierung spricht von 78.000 Toten, die UN befürchten 100.000, das Rote Kreuz 128.000 Todesopfer. Hilfsorganisationen warnen vor dem Ausbruch von Krankheiten, Seuchen und einer Hungersnot, die vor allem Kinder das Leben kosten könnte.
Staatstrauer angeordnet
Die birmanische Militärregierung hat am Montag eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer des verheerenden Zyklons "Nargis" angekündigt. Diese werde am Dienstag beginnen, hieß es im staatlichen Fernsehen. Im ganzen Land würden die Flaggen dann auf Halbmast gesetzt.
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