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Flammen-Inferno im US-Bundesstaat: Kalifornien fragt: Wer hat versagt?

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 25.10.2007 - 13:12

Sacramento (RP). Eine Million Menschen sind auf der Flucht vor den Waldbränden in Kalifornien. Die Katastrophe kann für Gouverneur Arnold Schwarzenegger zum politischen Problem werden. Die Not ist so groß, dass jetzt sogar Häftlinge im Kampf gegen das Feuer im Einsatz sind.

SanDiego Nein, beklagen will Fuxue Jin sich nicht. Es gibt reichlich Pizza und Hähnchen vom Grill, Sandwiches und Kaffee. Eine Telefongesellschaft vermittelt kostenlose Gespräche; ein Yogalehrer lädt zu Entspannungsübungen ein. Und Fuxues fünfjähriger Sohn steckt seinen Kopf vergnügt aus dem Nylonzelt - es ist abends halb elf. Für ihn ist das alles ein einziges Abenteuer. 12000 Flüchtlinge haben im Qualcomm-Stadion von San Diego Zuflucht vor dem Flammeninferno in Kalifornien gesucht. Von Chaos keine Spur, das Lager ist straff organisiert. Unten stehen Soldaten Wache, oben kümmern sich Ärzte um Patienten mit Kopfschmerzen, meist eine Folge des beißenden Rauchs.

Die Brand-Katastrophe kann für Gouverneur Arnold Schwarzenegger zum politischen Problem werden. So groß ist die Not, dass jetzt sogar 2600 speziell ausgebildete Häftlinge im Kampf gegen das unvermindert wütende Feuer eingesetzt werden. Aus den Reihen der Feuerwehrleute wird erste Kritik laut. Vor vier Jahren kamen in dem US-Bundeststaat bei einer ähnlichen Katastrophe 22 Menschen ums Leben, 3640 Häuser wurden zerstört. Danach gab es Empfehlungen für Notfallpläne, die - so heißt es nun - nicht umgesetzt wurden. Massiv sind auch die Klagen über fehlende Löschflugzeuge.

Schwarzenegger erwiderte: Unsinn - man könnte alle Flugzeuge der Welt in Kalifornien haben, und das würde nichts helfen, wenn sie wegen des Windes nicht fliegen könnten. „Wir haben die unglückliche Situation, dass drei Dinge zusammenkommen: sehr trockene Gebiete, sehr heißes Wetter und viel Wind.“ Der Gouverneur, aber auch Präsident Bush wollen den Katrina-Effekt vermeiden: Nach der Hurrican-Verwüstung von New Orleans wurde Bush Versagen vorgeworfen. Diesmal will der Präsident keine Angriffsfläche bieten. Heute wird er Kalifornien besuchen; und er ließ seine Sprecherin erklären: Die Regierung habe ihre Lektion aus Katrina gelernt.

Die Jins haben vorerst existenzielle Sorgen. Sie wurden wie so viele andere vom Feuer überrascht. Die Familie saß am Sonntagabend noch friedlich beim Abendessen. „Den Qualm draußen haben wir schon bemerkt. Aber die Brände, hieß es in den Nachrichten, seien noch weit entfernt. Keine Gefahr“, erzählt Vater Jin. Nachts um halb vier schreckte der Elektroingenieur aus dem Schlaf.

Von Panik erfasst, stürzten die Jins zu ihrem Wagen. Das Einzige, wonach sie noch griffen, war eine Aktentasche mit den wichtigsten Papieren. Ihr Haus haben sie erst im Februar gekauft; es sollte das Symbol des Neubeginns sein, die Erfüllung eines Einwanderertraums. Was jetzt damit ist? „Das werden wir sehen“, sagt Fuxue und gibt sich Mühe, höflich zu lächeln. Er weiß einfach nicht, ob sein Haus noch steht.


 
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