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Aachener Karlspreis für Pontifex
Papst Franziskus: "Bauen Sie Brücken, reißen Sie Mauern ein"

Papst Franziskus wird mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet
Papst Franziskus wird mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet FOTO: dpa, gfh
Vatikanstadt . Der amtierende Papst ist am Freitagmittag für seine Verdienste um Europa im Vatikan mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet worden.

Franziskus werde für sein herausragendes Engagement "für Frieden, Verständigung und Barmherzigkeit" geehrt, zitierte der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, aus der Verleihungs-Urkunde.

An der Zeremonie nahmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und anderen früheren Preisträgern auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD), Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk teil. Merkel war zuvor von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen worden.

Schulz: Franziskus ist moralische Instanz

Schulz würdigte Franziskus als wichtige moralische Instanz. Er erinnere die Europäer daran, "was wirklich wichtig ist: Frieden, Solidarität und gegenseitiger Respekt". Auch in der Flüchtlingskrise sei der Papst ein Vorbild. Indem er im Vatikan drei syrischen Familien Schutz gewähre, zeige er, "was gelebte Solidarität, was Menschlichkeit heißt".

Auch Juncker erinnerte daran, dass der Papst syrische Bürgerkriegsflüchtlinge im Vatikan aufgenommen hat. Franziskus lebe vor, dass Solidarität und Nächstenliebe "nicht nur wohlklingende Worte sind".

Das Karlspreis-Direktorium hatte im Dezember bekanntgegeben, dass der Pontifex die renommierte Auszeichnung erhält. Franziskus sende eine Botschaft der Hoffnung aus und gebe den Europäern Orientierung, hieß es damals zur Begründung. Der Papst sei "eine Stimme des Gewissens, die uns mahnt, bei all unserem Tun den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen".

Franziskus: Europa muss sich an die Ideale der Gründerväter erinnern

Franziskus hat Europa in einer eindringlichen Rede dazu aufgefordert, sich an seine Gründerväter und deren Ideale zu erinnern. "Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern", sagte das Kirchenoberhaupt am Freitag nach der Verleihung des Karlspreises im Apostolischen Palast.

"Die Pläne der Gründerväter, jener Herolde des Friedens und Propheten der Zukunft, sind nicht überholt: Heute mehr denn je regen sie an, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen", betonte Franziskus. Die Gründerväter hätten sich nicht "mit kosmetischen Überarbeitungen oder gewundenen Kompromissen zur Verbesserung mancher Verträge" zufrieden gegeben, sondern mutig neue, tief verwurzelte Fundamente gelegt, so der Papst.

Der Karlspreis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den ersten Preisträgern zählten der britische Premierminister Winston Churchill und der langjährige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU).

In den folgenden Jahrzehnten wurden unter anderem der Spaniens König Juan Carlos und der frühere US-Außenminister Henry Kissinger und der britische Premierminister Tony Blair geehrt. Im Jahr 2000 nahm US-Präsident Bill Clinton den Preis entgegen, 2008 ging er an Bundeskanzlerin Merkel und 2015 an EU-Parlamentspräsident Schulz.

Eigentlich wird der Preis stets im Aachener Rathaus verliehen. Nun fand die Zeremonie zum zweiten Mal im Vatikan statt: 2004 hatte Papst Johannes Paul II. dort einen "außerordentlichen Karlspreis" entgegengenommen. Franziskus ist der 58. Karlspreisträger.

 

(AFP)
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