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Türkei: Katholischer Priester vor Kirche erschossen

zuletzt aktualisiert: 06.02.2006 - 13:03

Ankara (rpo). Vor seiner Kirchein der türkischen Hafenstadt Trabzon ist am Sonntag ein katholischer Priester erschossen worden. Die Polizei fahndet nach einem Jugendlichen, der Augenzeugen zufolge die Tat verübt haben soll. Es ist nicht auszuschließen, dass die Tat in Zusammenhang mit den Protesten gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen steht. Der 60-jährige Priester Andrea Santoro war Italiener.

Nur jeder zweite Deutsche glaubt an Gott.  Foto: ddp, ddp
Nur jeder zweite Deutsche glaubt an Gott. Foto: ddp, ddp

Noch nicht genau geklärt ist bislang, ob der Mörder nach der Sonntagsmesse in die Kirche eindrang, um den Geistlichen dort aus nächster Nähe mit einem Herzschuss zu töten. Möglicherweise habe er ihm auch vor dem Kirchenportal aufgelauert, spekulieren italienische Medien. Auf jeden Fall soll der junge Mann anschließend mit dem Ruf "Allah ist größer" davongelaufen sein, berichteten Augenzeugen aus Trabzon.

Der türkische Justizminister und Regierungssprecher Cemil Cicek verurteilte die Tat und versicherte, es werde alles unternommen, um das Verbrechen aufzuklären. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf einen Angehörigen des Opfers, der Priester sei zur Tür gekommen, weil es geklingelt habe. Der Täter habe drei Schüsse auf den Geistlichen abgegeben. Der private Fernsehsender Sky-Turk berichtete, Augenzeugen hätten zwei Personen die Kirche verlassen sehen. Sie hätten «Allah ist groß» gerufen.

Spielten Karikaturen eine Rolle?

Der apostolische Vikar in Anatolien, Monsignor Luigi Padovese, sagte, die umstrittenen Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed hätten möglicherweise eine Rolle gespielt. Allerdings habe der Priester auch mit Prostituierten aus der Gegend gearbeitet und ihnen Hilfe angeboten. Der Geistliche habe gute Beziehungen zur islamischen Gemeinde gehabt, zitierte die Nachrichtenagentur Apcom den Vikar. Die Diözese in Rom sprach von einem heimtückischen Verbrechen und zeigte sich erschüttert.

In Istanbul hatten am Morgen 300 ultranationalistische Türken vor dem dänischen Konsulat gegen den Abdruck der Karikaturen protestiert. Zuvor hatten sich ebenfalls in Istanbul 2.000 Demonstranten versammelt und Bilder des dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen verbrannt.

Unklarheit über das Motiv

Unklarheit herrscht nach wie vor über das Motiv. Es könnte sich um die Tat eines geistesgestörten fanatischen Einzeltäters handeln. Vielleicht sei der Geistliche aber auch ins Fadenkreuz des organisierten Verbrechens geraten, hieß es in den Medien. Santoro soll gegen den Handel mit russischen Prostituierten über den Hafen von Trabzon eingeschritten sein. Möglicherweise habe die Mafia daher einen Killer engagiert. Nach Angaben eines Polizeisprechers soll Santoro in letzter Zeit mehrere Drohanrufe erhalten haben.

Die türkische Polizei sucht laut italienischen Medienberichten auf Grund von zwei Augenzeugen nach dem Mörder. Keine Bestätigung gibt es bislang für Gerüchte, dass die Videokamera eines nahe gelegenen Juweliergeschäfts Aufschlüsse geben könnte.

Der 1945 in Priverno bei Latina südlich von Rom geborene Santoro war 2000 zur Seelsorge in die Türkei entsandt worden. Er kümmerte sich um die winzige Gemeinde in der Schwarzmeerregion und bemühte sich um Kontakte und einen Dialog mit Muslimen. Zuvor war er als Pfarrer in mehreren römischen Pfarrgemeinden tätig

Quelle: apbackup2

 
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