Passagierflugzeug stürzt in Beirut ins Meer: Kaum noch Hoffnung für die 90 Passagiere
zuletzt aktualisiert: 25.01.2010 - 19:22Beirut (RPO). Beim Absturz eines äthiopischen Passagierflugzeugs über dem Mittelmeer sind vermutlich alle 90 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die Boeing 737-800 der Ethiopian Airlines fing kurz nach dem Start Feuer und stürzte vor der libanesischen Küste ins Meer. Möglicherweise habe schlechtes Wetter eine Rolle gespielt, hieß es.
Der libanesische Präsident Michel Suleiman sagte, es deute nichts auf einen Terroranschlag hin. Die Bundesmarine beteiligte sich an der Suche nach Opfern. Die Maschine, die in die äthiopische Hauptstadt Adis Abeba fliegen sollte, startete gegen 2:30 Uhr Ortszeit (1:30 Uhr MEZ) in Beirut. Wenige Minuten später stürzte sie rund 3,5 Kilometer vor der Küste ins Meer. Den libanesischen Streitkräften zufolge stand das Flugzeug in Flammen.
"Sabotage schließen wir derzeit aus", erklärte Präsident Suleiman. Seit Sonntag fiel in Beirut starker Regen, und es gab Gewitter. "Zweifellos war das Wetter sehr schlecht", sagte der libanesische Verkehrsminister Ghasi Aridi.
Deutsche Marine an Suche beteiligt
Auch die Bergungsarbeiten wurden durch Sturm und hohen Wellengang behindert. An der Suchaktion beteiligt waren zwei Boote der deutschen Marine, die als Teil des UNIFIL-Verbandes vor der libanesischen Küste im Einsatz sind. Es handelt sich um die "Mosel" mit rund 100 Seeleuten an Bord und die "Laboe" mit etwa 40 Besatzungsmitgliedern, wie ein Bundeswehrsprecher in Potsdam mitteilte.
Von der "Mosel" aus würden nun die Rettungsmaßnahmen an der Absturzstelle koordiniert, sagte der Sprecher. Das Schiff habe die stärksten Funkgeräte im gesamten Libanon. Beide Schiffe hätten Wrackteile sichergestellt. Die Mannschaft der "Laboe" barg drei Leichen aus dem Meer und übergab sie den libanesischen Behörden.
Bis zum Nachmittag wurden 34 Leichen geborgen. An der Küste wurden nach dem Unglück unter anderem Passagiersitze, eine Babysandale und ein Feuerlöscher angeschwemmt.
Auf der Passagierliste der Maschine standen 54 Libanesen, 22 Äthiopier und einzelne Staatsbürger aus dem Irak, Syrien, Kanada, Russland und Großbritannien. Auch die Frau des französischen Botschafters im Libanon war an Bord. Der libanesische Ministerpräsident Saed Hariri kündigte einen nationalen Trauertag an.
Experte hält Triebwerksausfall für möglich
Auf dem Flughafen von Beirut versammelten sich verzweifelte Angehörige. Sie wurden von Mitarbeitern in den VIP-Bereich geführt. Ein Mann erzählte, er habe seinen Bruder angefleht, seine Reise nach Äthiopien wegen des schlechten Wetters zu verschieben. "Aber er hat darauf bestanden zu fliegen, weil er geschäftliche Termine hatte", sagte Andrée Kusayfi.
Nach Angaben der Fluggesellschaft wurde die Unglücksmaschine zuletzt vor einem Monat gewartet. Die Inspektion habe keine Mängel ergeben. Ethiopian Airlines hat im Vergleich zu anderen afrikanischen Fluggesellschaften einen recht guten Ruf.
Die Berichte über ein Feuer an Bord sprächen für den Ausfall eines Triebwerks, erklärte Chris Yates, Luftsicherheitsanalyst aus Manchester. Es könne auch sein, dass ein Gegenstand oder ein Vogel in den Sog der Triebwerke geraten sei.
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