Nur in Beirut Ruhe: Kein Ende der Gewalt im Libanon
zuletzt aktualisiert: 12.05.2008 - 13:42Beirut (RPO). Nach tagelangen Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern der prowestlichen Regierung zeichnet sich im Libanon kein Ende der Gewalt ab. Im Norden und Osten des Landes kam es zu schweren Gefechten, die Zahl der Toten stieg bis zum Montag auf mindestens 49. Lediglich in der Hauptstadt Beirut entspannte sich die Lage, weil sich die Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz aus den Straßen zurückzogen.
Heftige Kämpfe wurden am Montag erneut aus der Stadt Tripoli gemeldet. Sicherheitskräfte berichteten von Maschinengewehrfeuer und dem Einsatz von Raketen. In den Bergen um Beirut wurden Soldaten stationiert, nachdem dort am Tag zuvor mindestens elf Menschen getötet wurden. Mehr als 20 weitere seien bei der Gewalt in Tschuweifat nahe der Hauptstadt verletzt worden, berichteten Rettungskräfte. Der staatliche Fernsehsender Press TV berichtete auf seiner Website von 17 getöteten Anhängern der Opposition.
Schwerste Krise seit Ende des Bürgerkriegs
Die Krise im Libanon ist die schwerste seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Auslöser war am vergangenen Mittwoch die Entlassung des Leiters des Sicherheitsdienstes auf dem Flughafen, dem Verbindungen zur Hisbollah vorgeworfen wurden. Die Entscheidung wurde inzwischen wieder rückgängig gemacht. Außerdem verbot die Regierung das private Telekommunikationsnetz der schiitischen Miliz. Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah sprach von einer Kriegserklärung.
Am Samstag hatte die Miliz nach Zugeständnissen der Streitkräfte ihren Rückzug aus den zuvor von sunnitischen Gruppen eroberten Stellungen in Beirut angekündigt. Sie wollte mit Blockaden ihre Forderungen durchsetzen. Am Montag öffneten wieder Geschäfte und Banken. Im Bezirk Hamra kam es nach Angaben von Sicherheitskräften zu einem Zusammenstoß zwischen Anhängern der Regierung und prosyrischen Kämpfern, dabei wurden zwei Kameraleute des Senders Al DSchasira verletzt.
Arabische Liga kündigt Vermittlungsdelegation an
Die Außenminister der Arabischen Liga berieten am Sonntag in Kairo über die Lage im Libanon und forderten die Hisbollah auf, ihre Kämpfer zurückzuziehen. Am (heutigen) Montag wurde eine Delegation der Arabischen Liga zu Vermittlungsbemühungen in Beirut erwartet.
Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Unruhen und rief alle Beteiligten zu einem Ende der Gewalt auf. Zugleich bekräftigte Merkel die Unterstützung der Bundesregierung für den Libanon, die legitime Regierung, und alle Institutionen, die für die Sicherheit verantwortlich seien. Papst Benedikt XVI. rief die Konfliktparteien zum Dialog auf, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden.
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