Olympische Spiele: Kein freier Internetzugang für Journalisten
zuletzt aktualisiert: 02.08.2008 - 21:42Peking (RPO). Einen komplett freien Zugang zum Internet wird es während der Olympischen Spiele nicht geben. Das räumte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf einer Pressekonferenz ein. Bisher hatte IOC-Chef Jacques Rogge einen freien Internetzugang für Journalisten garantiert.
IOC-Kommunikationschefin Giselle Davies gestand vor Journalisten ein, dass China entgegen den Mitteilungen ihrer Organisation keinen kompletten Zugang zum Internet zugesagt hat. "Wir hätten natürlich gern einen totalen und freien Zugang", sagte Davies. "Was aber China versprochen hat, sind alle Möglichkeiten für die Medien, ihre Arbeit zu machen, ihre Reportagen, sie zu schicken und sie zu verbreiten." Die Kommunikationschefin versuchte damit einen Unterschied zu machen zwischen einem vollständig ungehinderten Zugang und einem Zugang, der sich auf die konkreten Arbeitsnotwendigkeiten beziehe.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die chinesische Regierung zur Einhaltung der olympischen Werte auf. Er habe seinen chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi persönlich gebeten sicherzustellen, dass allen Journalisten gute Arbeitsmöglichkeiten gewährt werden, sagte Steinmeier der Zeitung. Yang habe ihm das auch zugesagt. Er erwarte nun auch vom Internationalen Olympischen Komitee, dass es auf die Einhaltung der chinesischen Zusagen achte.
Auch viele Journalisten zeigten sich empört. Etwa sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", das chinesische Olympische Komitee habe zugesagt, den ausländischen Journalisten die Arbeitsmöglichkeiten zu geben, die sie in anderen Ländern mit Pressefreiheit auch haben. "Das ist bei Weitem nicht der Fall", kritisierte er.
Darüber hinaus dementierte Rogge, dass er eine entsprechende Vereinbarung mit der chinesischen Führung geschlossen habe. "Es gab keinen Deal oder so etwas, Einschränkungen zu akzeptieren", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees am Samstag in Peking. Er gestand zugleich ein, dass zumindest zu Wochenbeginn die Arbeitsbedingungen für Journalisten nicht gut gewesen seien. "Aber ich werde mich nicht für etwas entschuldigen, wofür das IOC nicht verantwortlich ist", fügte Rogge hinzu. "Wir betreiben nicht das Internet in China."
Die chinesischen Behörden hatten die Internetzensur am Freitag leicht gelockert, jedoch nicht komplett aufgehoben. Unter anderem wurden die Seiten von Reporter ohne Grenzen, der britischen Rundfunkanstalt BBC und der Deutschen Welle wieder freigeschaltet. Andere Seiten wie die von chinesischen Dissidenten, der tibetischen Exilregierung und solche mit Informationen zur blutigen Niederschlagung der Bewegung für mehr Demokratie auf dem Pekinger Tiananmenplatz 1989 blieben weiter gesperrt.
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