Generalstreik in Griechenland: Keine Nachrichten bis morgen früh
zuletzt aktualisiert: 11.05.2011 - 15:33Athen (RPO). Tausende Griechen haben aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung das Land mit einem Generalstreik lahmgelegt. Die Resonanz auf den Aufruf der Gewerkschaften fiel Beobachtern zufolge eher gering aus. An den Schulen fiel der Unterricht aus, Busse und Bahnen fuhren nicht. Gegen mehrere Dutzend linksgerichtete Demonstranten setzte die Polizei Tränengas ein.
Am späten Vormittag wollte auch das Personal von Flughäfen und Fluggesellschaften in einen mehrstündigen Streik treten. Die griechischen Gesellschaften Olympic Air und Aegean kündigten die Annulierung von dutzenden In- und Auslandsverbindungen an. Der deutsche Reiseveranstalter TUI änderte nach eigenen Angaben schon im Vorfeld seine Flugzeiten, um die Auswirkungen des Streiks zu minimieren.
Auch die öffentliche Verwaltung sowie Schulen und Krankenhäuser wurden bestreikt. Zeitungen, Radio und Fernsehen stellten ihre Arbeit für 24 Stunden ein. Nachrichtensendungen gibt es erst wieder am Donnerstagmorgen, wie ein Radiokorrespondent des WDR berichtet. Im Fernsehen liefen derzeit nur alte Serien.
Nach Polizeiangaben gingen allein in Athen und in Thessaloniki etwa 20.000 Menschen auf die Straße, dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.
Um Ausschreitungen autonomer Gruppen zu verhindern, schickten die Behörden ein Großaufgebot von Polizisten in das Stadtzentrum von Athen. Am Nachmittag kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Vor gut einem Jahr waren dort drei Bankangestellte getötet worden, als während einer Kundgebung ein Sprengsatz in ihr Büro geschleudert wurde.
Der Generalstreik ist bereits der zweite seit Jahresbeginn und der neunte seit dem Beginn der griechischen Finanzkrise. Der Protest richtet sich gegen weitere Sparmaßnahmen sowie gegen geplante Privatisierungen im Umfang von rund 15 Milliarden Euro.
Die Gewerkschaften werfen der sozialistischen Regierung des hoch verschuldeten Landes vor, mit ihrem Kurs die Wirtschaft kaputt zu sparen. Die Wirtschaftsleistung des Eurozonen-Landes ging im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent zurück und wird 2011 wohl um weitere drei Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit erreichte im Januar die Rekordmarke von 15,1 Prozent. "Wir erwarten massive Proteste", sagte Kostas Panagopoulos vom Meinungsforschungsinstitut Alco voraus. Die Menschen glaubten, dass das Konsolidierungsziel nicht erreicht werden könne und der Weg nicht effektiv sei. "Das ist eine brisante Mischung."
Seit Dienstag halten sich Finanzexperten von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen auf, um die Haushaltslage Griechenlands zu prüfen. Die Fachleute entscheiden auch darüber, ob dem Land die nächste Tranche der Hilfe ausgezahlt werden kann. Sollte Griechenland die zwölf Milliarden Euro nicht erhalten, liefe das auf seine Zahlungsunfähigkeit hinaus.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum