kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
       
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Sauberer Alkohol: Kenianer brauen billiges Bier für die Armen

VON ANJA BENGELSTORFF - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 08:58

Nairobi (RPO). Die kenianische Brauerei East African Breweries (EABL) hat bereits 2004 eine Biersorte auf den Markt gebracht, die Leben zu retten versprach. Alkoholgenuss sollte auch für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen, die sich sauber gebrannten Alkohol oder Bier nicht leisten können, sicher und bezahlbar werden. Doch das Bier für die Armen erntet auch viel Kritik.

"Ohne Bier kann ich nicht einschlafen", behauptet der junge, schmächtige Mann stolz. An einem Sonntag um die Mittagszeit steht bereits der dritte Humpen vor ihm. Einsame Trinker schauen neugierig herüber, während der Automechaniker, Frau und zwei Kinder, offenherzig und detailliert über seine täglichen Trinkzeiten informiert.

Er trinke Bier der Marke "Senator", ausschließlich. "Wenn ich Chang'aa, den illegal gebrannten Alkohol, trinken würde, könnte ich mich nicht unterhalten, weil der so stinkt", berichtet er und verscheucht eine von Dutzenden Fliegen. "Vom Bier kann ich viel mehr trinken, und viel billiger ist es auch."

Schneller Rausch - und das zu günstigen Preisen. Für viele Bewohner der Armenviertel in Kenias Hauptstadt Nairobi ist Alkohol ein wichtiger Fluchtpunkt aus dem tristen Alltag. Risiken werden dabei gerne ausgeblendet. In den Dörfern behilft man sich seit Generationen mit Alkohol aus vergorenem Zuckerrohr. Bei diesem nichtindustriellen Herstellungsprozess kann jedoch der Alkoholgehalt nicht kontrolliert werden, was das Gebräu zu einer potenziell tödlichen Mischung mit oft mehr als 90 Prozent Alkohol macht. In den Armenvierteln großer Städte wird zudem schon mal mit Chemikalien nachgeholfen, um den Alkoholgehalt zu erhöhen. Mitunter bezahlen Konsumenten den fragwürdigen Genuss mit dem Leben oder erblinden.

Die kenianische Brauerei East African Breweries (EABL), die mehrheitlich dem globalen Brauereikonzern Diageo gehört, hat das erkannt und eine eigene Strategie entwickelt: 2004 brachte sie eine Biersorte auf den Markt, die Leben zu retten versprach. Alkoholgenuss sollte auch für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen, die sich sauber gebrannten Alkohol oder Bier nicht leisten können, sicher und bezahlbar werden. Das neue Produkt "Senator" ist ausschließlich in Armenvierteln erhältlich - und inzwischen nach Angaben der Brauerei Kenias meistgetrunkener Gerstensaft.

Der Sozialarbeiter Tom Thiong'o, der in Nairobi mit Alkoholabhängigen arbeitet, bezweifelt das. "Im Mathare-Slum sehe ich nicht weniger Leute Chang'aa trinken", berichtet er. "Und da sie kaum weniger Probleme als früher haben, hat auch der Alkoholkonsum insgesamt nicht abgenommen." Die Brauerei verdient letztlich natürlich Geld mit dem Armen-Bier.

0,3 Liter "Senator" kosten etwa 20 Euro-Cent - und damit ein Fünftel der etablierten Marke "Tusker" der gleichen Brauerei. Der niedrige Preis sei möglich, so Keith Obure von EABL, da "Senator" ausschließlich in Fässern verkauft werde und die kenianische Regierung zudem die Verbrauchssteuer erlasse. Auch werde "Senator", benannt nach dem US-Präsidenten Barack Obama, der kenianische Wurzeln hat und bei der Einführung des Biers noch Senator war, aus in Kenia angebauter Gerste gebraut. Nach Angaben der Brauerei liefern 500 Bauern jährlich 50.000 Tonnen Gerste im Wert von zwölf Millionen Euro. Ob das Bier jedoch als Waffe gegen den gefährlichen Konsum schwarz gebrannten Alkohols taugt, bleibt fraglich.

"Alkoholismus steigt in alarmierendem Ausmaß", warnt Tom Thiong'o, der früher selbst Alkoholiker war. "Immer mehr Menschen wollen wenigstens für kurze Zeit aus Armut und Hoffnungslosigkeit fliehen." Zwar gebe es Gesetze, die den Ausschank von Alkohol regeln; diese aber würden nicht durchgesetzt. "Der leichte Zugang zu Alkohol und billigem Fusel verschlimmert die Situation noch."

Quelle: KNA

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Syrische Botschaft in Berlin gestürmt

Demonstranten demolieren Möbel

Syrische Botschaft in Berlin gestürmt

Demonstranten sind am Freitag in die syrische Botschaft in Berlin eingedrungen und haben dort Teile der Einrichtung demoliert. mehr 

Hunderte bei Trauermarsch für Chantal

Methadon-Tod einer Elfjährigen

Hunderte bei Trauermarsch für Chantal

Bei großer Kälte haben hunderte Menschen an einem Trauermarsch für die an einer Methadonvergiftung gestorbene Chantal teilgenommen. mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

Demonstranten demolieren Möbel

Syrische Botschaft in Berlin gestürmt

Methadon-Tod einer Elfjährigen

Hunderte bei Trauermarsch für Chantal

Hamburger zu fast vier Jahren Haft verurteilt

Taxifahrer entführt und verprügelt Frau

Gewaltexzess in München

Hohe Haftstrafen für U-Bahn-Schläger

Videos

Mönchengladbach nach dem Rockerbanden-Streit

Nach der Auseinandersetzung zweier Rockerclubs in der Mönchengladbacher Altstadt laufen die Ermittlungen der Polizei an. Bisher gab es ... mehr 

Nasa-Video zeigt: Erde wird immer wärmer

Die Klimaerwärmung geht unvermindert weiter. 2011 war das neuntwärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1880. Ein Video der NASA zeigt ... mehr 

Taliban-greifen-Hotel-in-Kabul-an_1_65955.jpg

Pakistan

25 Tote bei Angriff von Taliban

Bei einem Angriff von rund 40 Kämpfern der islamistischen Taliban sind in Pakistan nach Regierungsangaben sieben Sicherheitskräfte getötet worden. mehr 

 

Beduinen nahmen Reisende als Geiseln

Entführte US-Touristinnen wieder frei

 

Ehemaliger Kulturattaché in Frankreich

Libyscher Ex-Botschafter zu Tode gefoltert

 

"Costa Concordia"-Unglück

Wetter verlängert Bergungsstopp

 

Präsident verstärkt Einsatz gegen Farc-Rebellen

18 Tote bei Anschlägen in Kolumbien

 

Wieder Tote und Verletzte in Ägypten

Bei Straßenschlachten fliegen Steine und Brandsätze

Top-Services