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Ärger über Coming-out
Spacey erntet Kritik von Schauspielkollegen

Kevin Spacey – House of Cards-Star und Oscar-Gewinner
Kevin Spacey – House of Cards-Star und Oscar-Gewinner FOTO: ap, Antonio Calanni
Los Angeles. Mit einem Tweet hat sich Kevin Spacey den Ärger vieler Menschen zugezogen: Denn der Hollywoodstar verband eine Reaktion auf Missbrauchsvorwürfe mit dem eigenen Coming-out. Das empfanden einige als "ekelhaft".

"Der eleganteste Weg, um sich zur Homosexualität zu bekennen, ist ein PR-Nebel, um Menschen davon abzulenken, dass du versucht hast, ein Kind zu missbrauchen", schrieb Guy Branum. Damit reagierte der US-Schauspieler und Comedian auf den Twitter-Post des Kollegen Kevin Spacey.

Der 58-jährige Spacey hatte auf Twitter die Anschuldigungen des Schauspielers Anthony Rapp reagiert. Dieser hatte in einem Interview mit "Buzzfeed News" behauptet, Spacey habe ihn auf einer Party 1986 auf ein Bett gezogen, sich auf ihn gelegt und ihn sexuell belästigt. Damals war Rapp gerade einmal 14 Jahre alt.

Spacey könne sich nicht mehr daran erinnern, doch "wenn ich mich so verhalten habe, wie er es beschreibt, dann schulde ich ihm eine aufrichtige Entschuldigung", schrieb er in seinem Statement via Kurznachrichtendienst. Zum ersten Mal öffentlich sagte Spacey in dem Tweet zudem, er sei homosexuell und wolle in Zukunft ehrlich damit umgehen. Dies werde damit beginnen, dass er sein "eigenes Verhalten untersuchen" wolle.

Der schlechteste Zeitpunkt für ein Coming-Out

"Dieses Statement ist ekelhaft, verantwortungslos und gefährlich", twitterte Schauspieler Billy Eichner. Dass Spacey sich ausgerechnet jetzt als homosexuell outen müsste, finden Kritiker unangemessen. "Kevin Spacey hat gerade etwas erfunden, das es noch nie gegeben hat: einen schlechten Zeitpunkt für ein Coming-out", schrieb Eichner weiter.

Viele Prominente äußerten ihre Sorge, dass Spaceys Twitter-Post Homosexuelle allgemein in ein schlechtes Licht rücke - dass eine Verknüpfung zwischen Homosexualität und Kindermissbrauch entstehe. Der US-Autor Dan Savage, in Amerika bekannt für seine Sex-Kolumne, schrieb: Nein zu Kevin Spaceys Statement. Betrunken oder schwul zu sein, ist keine Entschuldigung dafür, ein 14-jähriges Kind anzugreifen.

Nach der Weinstein-Affäre trauen sich immer mehr Menschen, die Opfer von sexueller Belästigung wurden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der 46-Jährige Rapp sagte in dem Interview, er habe den Vorfall mit sich herumgeschleppt und nie mit Spacey darüber gesprochen. Die beiden kannten sich von gemeinsamen Aufführungen auf dem New Yorker Broadway.

(laha/afp)
 
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