Flugzeugentführung im Sudan: Kinder und Frauen müssen an Bord bleiben
zuletzt aktualisiert: 27.08.2008 - 06:18Khartum (RPO). 100 Passagiere einer Boeing 737 zittern um ihr Leben. Die Maschine ist am Dienstag in der sudanesischen Region Darfur entführt worden. Die offenbar zehn Täter brachten das Passagierflugzeug kurz nach dem Start in Nyala im Süden Darfurs in ihre Gewalt, wie der Direktor des Flughafens in Khartum, Yusuf Ibrahim, mitteilte. Das Flugzeug sei nach Libyen umgeleitet worden.
Die libyschen Behörden bestätigten, dass das Flugzeug auf einem Flugplatz in der südlichen Wüstenoase Kufra gelandet sei, nahe der Grenze zum Sudan und zu Ägypten. Ermittler machten sich auf den Weg aus der 1600 Kilometer entfernt gelegenen Hauptstadt Tripoli nach Kufra, da bereits mehrere Stunden nach der Landung noch kein Kontakt zu dem Entführer bestand.
Libysche Beamte verhandelten in der Nacht zum Mittwoch mit den Luftpiraten. Die Entführer weigerten sich bislang, ihre Identität preiszugeben, sagte ein Beamter in der Nacht zum Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die libyschen Behörden versorgten das Flugzeug nach Angaben des Beamten mit Trinkwasser.
Die Entführer des Flugzeugs lehnten in der Nacht zum Mittwoch die Forderung nach Freilassung aller Frauen und Kinder an Bord ab. Sie verlangen, die in Libyen gelandete Maschine aufzutanken. Verhandlungen lehnten sie ab, wie ein Sprecher des libyschen Flughafens Kufra mitteilte.
Die zehn Flugzeugentführer wollen den Angaben zufolge nach Frankreich geflogen werden. Sie gehörten der Sudanesischen Befreiungsbewegung (SLM) unter Führung von Abdul Wahid Nur an, sagte der Flughafensprecher. Diese in Darfur aktive Rebellengruppe wies jedoch eine Beteiligung an der Entführung zurück; ein Sprecher sagte in London: "Wir verurteilen diesen Akt."
Die Hintergründe der Flugzeugentführung blieben zunächst unklar. Ein Sprecher der Rebellenorganisation Sudanesische Befreiungsarmee (SLA) vermutete einen Zusammenhang zwischen der Flugzeugentführung und der Krise in Darfur.
Es handele sich um eine "Konsequenz dessen, was die Regierung in Flüchtlingslagern in Nyala tut", sagte SLA-Führungsmitglied Ibrahim al-Hillo. Am Montag waren die sudanesische Sicherheitskräfte in das Flüchtlingslager Kalma nahe dem Flughafen von Nyala eingedrungen. Bei anschließenden Schießereien kamen mindestens 33 Menschen ums Leben.
In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen regierungsfreundliche arabische Reitermilizen und die sudanesischen Streitkräfte. Dabei kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu 300.000 meist unbeteiligte Menschen durch Gewalt, Hungersnöte und Krankheiten ums Leben. Mehr als 2,2 Millionen Menschen mussten aus ihren Häusern flüchten.
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