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Arbeitsbedingungen in Indonesien
Kinderarbeit und Hungerlohn auf Palmöl-Plantagen

Kinderarbeit und Hungerlohn auf Palmöl-Plantagen in Indonesien
Ein 13-jähriges Mädchen bei der Arbeit auf einer indonesischen Palmöl-Plantage. FOTO: afp, AB/RAB
Berlin. Amnesty International hat Menschenrechtsverletzungen auf den Palmölplantagen einer indonesischen Firma angeprangert, die nach den Angaben der Organisation führende internationale Konsumgüterhersteller beliefert.

Viele große Unternehmen wie Procter & Gamble, Nestlé oder Unilever bezögen Palmöl aus Raffinerien, die mit dem Produzenten zusammenarbeiteten, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch in Berlin. Procter & Gamble und Unilever versicherten ihre Kooperationsbereitschaft bei der Lösung der Probleme.

Giftige Pestizide und Kinder als Aushilfen

Amnesty sprach nach eigenen Angaben mit 120 Arbeitern auf Plantagen von Tochterfirmen des Palmöl-Produzenten Wilmar und drei Zulieferern. Demnach seien die Beschäftigten einem giftigen Unkrautvernichtungsmittel ausgesetzt. Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren müssten gefährliche Arbeit verrichten und könnten teils nicht mehr zur Schule gehen, weil sie Eltern helfen müssten, deren Zielvorgaben zu erfüllen.

Arbeiterinnen erhielten dem Ergebnis der Recherchen der Organisation zufolge "in extremen Fällen" außerdem nur einen Lohn von 2,50 US-Dollar (1,41 Euro) pro Tag. Sie würden auch mit Lohnkürzungen für den Fall bedroht, dass sie Überstunden verweigerten.

Große Hersteller geben sich unwissend

Amnesty kritisierte die Konsumgüterhersteller. Keines der großen Unternehmen habe auf Nachfrage erklären können, warum es die Menschenrechtsverletzungen bei den Zulieferern nicht erkannt und verhindert habe, erklärte die deutsche Expertin der Organisation, Verena Haan. "Dabei sind die Palmöl-Lieferketten meist kurz und wenig kompliziert."

Der Körperpflege- und Haushaltsmittelkonzern Procter & Gamble erklärte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP, er arbeite "eng" mit Wilmar zusammen, "um etwaiges Fehlverhalten zu korrigieren". Die eigenen Richtlinien für Zulieferer seien "eindeutig und unmissverständlich", erklärte deren deutschen Tochterfirma in Schwalbach am Taunus. Procter & Gamble sei überzeugt, positiv auf die Situation dort einwirken zu können.

Auch der Konsumgüterriese Unilever erklärte seinen Willen, Missstände beseitigen zu helfen. Er begrüße den Amnesty-Bericht und stimme zu, "dass noch viel mehr getan werden muss, um die tiefgreifenden gesellschaftlichen Probleme zu lösen", die mit dem Anbau von Palmöl verbunden seien, teilte dessen deutscher Ableger in Hamburg mit. Unilever sei entschlossen, dabei eine "führende Rolle" zu übernehmen.

Rohstoff in unzähligen Produkten verarbeitet

Palmöl ist ein wichtiges Basisprodukt für Lebensmittel sowie Körperpflege-, Pharma-, Haushalts- und Hygieneartikel. Es findet sich etwa in Margarine, Cremes, Fertiggebäck, Pizza und Waschmittel. Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge ist es rund in jedem zweiten Produkt enthalten, das in Supermärkten verkauft wird. Der Anbau wird seit Langem auch wegen der damit verbundenen Umweltzerstörung durch Monokultur und Rodung kritisiert.

Amnesty forderte die Heimatstaaten der Palmöl-Bezieher auf, "wirksame Maßnahmen" gegen die Menschenrechtsverstöße auf den Plantagen zu ergreifen. Bereits vorhandene Ansätze wie das sogenannte Roundtable on Sustainable Palm Oil-Zertifizierungsverfahren (RSPO) reichten nicht aus, um die Zustände zu ändern. RSPO habe auch schon Plantagen als "nachhaltig" zertifiziert, auf denen Kinder "Schwerstarbeit" hätten leisten müssen.

(bur/AFP)
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