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Angeblich Hitlers Leibwächter
Zeitung löst mit SS-Todesanzeige Entsetzen aus

Kleine Zeitung: SS-Todesanzeige löst Entsetzen aus
So druckte die Zeitung aus Österreich den Nachruf auf einen ehemaligen SS-Mann ab. Gesicht und Namen sind von unserer Redaktion unkenntlich gemacht. FOTO: Screenshot
Im Internet tobt ein Shitstorm, der Chefredakteur bittet um Entschuldigung: Die österreichische "Kleine Zeitung" hat eine Todesanzeige abgedruckt, die die SS verherrlicht. Bei dem Verstorbenen handelt es sich offenbar um einen landesweit bekannten Alt-Nazi, der in Medien als "Hitlers Leibwächter" bezeichnet wurde.

In der Todesanzeige trauern Angehörige um einen ehemaligen SS-Untersturmführer, der im April 2015 im Alter von 95 Jahren verstorben war. Gleich mehrfach würdigt der Text die Taten der SS. So heißt es über den Verstorbenen etwa "Seine Ehre hieß Treue" - eine Abwandlung des SS-Leitmotivs "Meine Ehre heißt Treue."

Außerdem sei der Verstorbene Träger des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse gewesen. Neben Geburts- und Todesdatum sind runenartige Zeichen zu sehen, wie sie auch in der SS genutzt wurden. Weitere Empörung löste zudem die Formulierung aus, der Verstorbene sei einer "der Letzten der Erlebnisgeneration" gewesen.

In diesem Kontext hinterlassen auch die oben rechts platzierten Zeilen des österreichischen Lyrikers Adalbert Stifter den Eindruck, bei dem Toten habe es sich um einen der ewig Unbelehrbaren gehandelt. Dort heißt es: "Denn was immer auf Erden besteht, - besteht durch Ehre und Treue. - Wer heute die Pflicht verrät, - verrät auch morgen die neue."

Chefredakteur Hubert Patterer bezeichnete den Abdruck der Anzeige in einem Statement bei Twitter und Facebook als "fürchterlichen Fehler". Interne Sicherungen hätten versagt. Nun werde man eine zweite Revisionsebene einziehen müssen. "Wir bitten konsterniert um Entschuldigung."

Die Sache ist für die Zeitung umso unangenehmer, weil es sich bei dem Verstorbenen um einen bekannten Alt-Nazi handeln soll, der schon mehrfach als "Leibwächter von Adolf Hitler" in den Medien war. Darauf weisen unter anderem Kommentare und Screenshots von Facebook-Nutzern hin.

Ein Nutzer postete ein entsprechenden Zeitungsartikel aus dem Jahr 1998, in dem die Vergangenheit eines damals 78-jährigen Angeklagten im Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren geschildert wird. Demnach war dieser als Untersturmführer der Waffen-SS über Jahre im Begleitkommando Hitlers tätig. "Mein Mandant war war von 1938 bis 1945 Leibwächter Adolf Hitlers", zitiert der Artikel den Anwalt des Angeklagten. Zwar wird der Name in dem Text nicht genannt, doch passen Historie und Alter zum Verstorbenen.

(pst)
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