Flugbetrieb aufgehalten: Krisengebiete: Promi-Besuche behindern Hilfe
zuletzt aktualisiert: 08.01.2005 - 11:03Banda Aceh (rpo). UN-Generalsekretär Kofi Annan, US-Außenminister Colin Powell: So gut gemeint die Besuche hochrangiger Politiker in den Krisengebieten auch sind, sie halten die dringende Versorgung der notleidenden Bevölkerung oft nicht unerheblich auf. Am Samstag ist Außenminister Joschka Fischer in Indonesien angekommen.
Als UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag die von der Flutkatastrophe verwüstete Insel Sumatra besuchte, zeigte er sich vom Ausmaß der Zerstörung erschüttert. Und US-Außenminister Colin Powell sprach bei einem Besuch am Mittwoch gar von unfassbarem Horror. So nützlich solche medienwirksamen Auftritte für das Werben um weitere Spenden und Hilfszusagen auch sein mögen - zunächst einmal hielt der hochrangige Besuch die Versorgung der Bevölkerung auf. Denn in der Provinz Aceh wurde für die Ankunft der beiden Politiker der einzige Flughafen gesperrt.
"Das müssen sie besser koordinieren", sagt Major Murad Khan. Den Pakistaner und seine Leute hat Powells Besuch gut zwei Tage Zeit gekostet. Das 220 Mann starke Team aus Militärärzten und Ingenieuren war letzte Woche in der Stadt Medan im Osten Sumatras eingetroffen, mietete dort Lastwagen und machte sich auf die 15-Stunden-Fahrt nach Banda Aceh. Der Zugang zu der Provinzhauptstadt wurde ihnen jedoch von den indonesischen Streitkräften verweigert, so dass die Pakistaner schließlich unverrichteter Dinge wieder kehrt machten. Bei ihrer Rückkehr nach Medan erfuhren sie dann den Grund für die Sperrung: Powell weilte in Banda Aceh.
Der Militärkommandeur von Aceh, Generalmajor Bambang Darmono, will eine Vollsperrung zwar nicht direkt bestätigen. Aus Sicherheitsgründen sei es aber erforderlich, bei Besuchen wichtiger Würdenträger die übrigen Flüge "umzuorganisieren". Bei weniger prominenten Politikern geht es allerdings auch anders: Der britische Entwicklungsminister Hilary Benn beispielsweise gelangte an Bord eines Frachtflugzeugs voller Hilfsgüter nach Banda Aceh.
Ein Sprecher der US-Botschaft in Indonesien verteidigt Powells Reise: "Es war sehr wichtig für den Minister, Banda Aceh zu besuchen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen." Auch die humanitären Helfer vor Ort halten dies trotz der Behinderungen vor Ort für unumgänglich: "Es ist furchtbar, aber was kann man tun?", fragt Pierre King von der UN-Organisation für Migration.
Fischer in Thailand eingetroffen
Zu Beginn seines Besuchs in der südasiatischen Katastrophenregion ist Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) am Samstag in Bangkok eingetroffen. Am Flughafen der thailändischen Hauptstadt wurde er von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra begrüßt.
In Bangkok will Fischer unter anderem mit dem thailändischen Regierungschef und Außenminister Surakiart Sathirathai darüber sprechen, wie die Hilfe für die Opfer der Flut möglichst wirksam geleistet werden kann. Am Sonntag will der Minister in die Region Phuket reisen und dort unter anderem an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer teilnehmen. Dort starben besonders viele deutsche Touristen.
Weitere Stationen der bis Dienstag dauernden Reise Fischers sind Indonesien und Sri Lanka. Vor seinem Rückflug nach Deutschland will der Minister in Colombo an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Flutkatastrophe teilnehmen.
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